Kämpfen um die Krim?

Unklarheiten über Kriegsziele der Ukraine

Von Niklas Zimmermann
24.05.2022
, 20:15
„Ich denke, dass das auf unserer Seite Hunderttausende Verluste bedeuten wird.“ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält den Preis für eine versuchte Rückeroberung der Krim für zu hoch.
Präsident Selenskyj will sich offenbar auf die vor dem 24. Februar von Kiew kontrollierten Gebiete fokussieren. Für den Militärgeheimdienstchef ist der Krieg hingegen erst zu Ende, wenn die Krim unter ukrainischer Kontrolle steht.
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Über die Kriegsziele gegen die russischen Invasoren kommen aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew widersprüchliche Signale. „Für die Ukraine ist es das realistische Minimum, dass die russischen Kräfte sich an die Grenzen zurückziehen, die vor dem 24. Februar gültig waren“, erklärte Jurij Sak, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers Olexij Resnikow, am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. „Dieser Aggressionskrieg gegen die Ukraine hat natürlich 2014 angefangen, als Russland die Halbinsel Krim annektiert hat“, sagte Sak weiter. Die Rückgabe der Krim sei eine Frage, „die diplomatisch verhandelt werden muss. Das Hauptziel jetzt ist sicherzustellen, dass die russischen Aggressoren und Kriegsverbrecher sich hinter die Linie vom 24. Februar zurückziehen.“

Grundlegend anders äußerte sich der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. „Der Zugang zu unseren administrativen Grenzen wird das Ende unseres Krieges sein“, sagte Kyrylo Budanow in einem Interview mit dem Nachrichtenportal „Ukrajinska Prawda“. Das bedeutet die Rückeroberung der Krim und des Donbass.

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Abwehrkampf in Mariupol verteidigt

Bereits Mitte Mai erklärte Budanow dem britischen Sender „Sky News“, dass bis zum Jahresende die Ukraine die Kontrolle über alle Gebiete zurückerlangen werde, auch über die Halbinsel Krim. Der Wendepunkt des Krieges komme in der zweiten Augusthälfte, sagte er damals. In dem Interview vom Dienstag bekräftigte der Militärgeheimdienstchef diese Prognose. Bis im August werde die Anzahl der aus dem Ausland gelieferten Waffen eine „signifikante Quantität“ annehmen, erklärte Budanow. Noch gebe es aber einen „katastrophalen Mangel an schweren Waffen“.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ging in der Nacht auf Dienstag in einem Videogespräch mit dem amerikanischen Nachrichtenportal „Axios“ allerdings auf Distanz zu seinem Militärgeheimdienstchef. „Ich mag General Budanow“ antwortete Selenskyj launig auf eine entsprechende Frage. „Ich mag ihn sehr.“ Dann machte der ukrainische Präsident allerdings deutlich, dass er die möglichen Kosten für eine Rückeroberung der Krim für deutlich zu hoch hält: „Ich denke, dass das auf unserer Seite Hunderttausende Verluste bedeuten wird.“

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Auf Präsident Selenskyj berief sich in seinen Aussagen gegenüber dem ARD-Morgenmagazin auch Jurij Sak, der Berater des ukrainischen Verteidigungsministers. Zugleich verteidigte Sak den in der vergangenen Woche aufgegebenen Abwehrkampf auf dem Gelände des Stahlwerks Asowstal in Mariupol: „Das Hauptziel wurde erreicht in Mariupol. Es war, die russischen Truppen zurückzuhalten.“ Dadurch hätten die russischen Truppen keine anderen Gebiete im Osten der Ukraine erobern können, erklärte Sak. Die Kämpfer von Asowstal hätten den Ukrainern Zeit gegeben, sich neu zu gruppieren und mehr Militärhilfe von ihren internationalen Partnern zu erhalten.

Quelle: F.A.Z.
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