Krieg in der Ukraine

Selenskyj nennt Beschuss eines Atomkraftwerks „Akt des Terrorismus“

06.08.2022
, 07:43
Das Atomkraftwerk-Gelände Saporischschja
Nach dem Beschuss des größten Atomkraftwerks in Europa in der Stadt Enerhodar fordert der ukrainische Präsident Sanktionen gegen Russland. Und 21.000 Ukrainer wollen in Deutschland studieren. Die Nacht im Überblick.
ANZEIGE

Nach dem Beschuss des Atomkraftwerk-Geländes Saporischschja machen sich Russland und die Ukraine gegenseitig dafür verantwortlich. Das größte Atomkraftwerk Europas liegt im von Russlands Truppen besetzten Teil der Südukraine - bereits mehrfach kam es dort in den vergangenen Kriegsmonaten zu brenzligen Situationen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „Akt des Terrorismus“ durch die russische Seite und forderte neue Sanktionen, die gezielt die Nuklearindustrie des Nachbarlands treffen sollten. Das Außenministerium in Kiew warnte: Sollte ein Reaktor im Betrieb getroffen werden, seien die möglichen Folgen „gleichbedeutend mit dem Einsatz einer Atombombe“.

ANZEIGE

Selenskyj fordert neue Sanktionen gegen Russland

„Wer nukleare Bedrohungen für andere Völker schafft, ist definitiv nicht in der Lage, Nukleartechnologie sicher einzusetzen“, sagte Selenskyj in der Nacht zum Samstag. Konkret verlangte er etwa Strafmaßnahmen gegen den russischen Staatskonzern Rosatom.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEA besorgt gezeigt angesichts der Lage um das Kraftwerk, das mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6000 Megawatt das größte Atomkraftwerk Europas ist. Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Aber es sei momentan sehr schwierig für die IAEA, überhaupt ins Kriegsgebiet nach Saporischschja zu kommen.

ANZEIGE

Russland und Ukraine werfen sich Beschuss von Atomkraftwerk vor

In Teilen der Stadt Enerhodar, in der das Kraftwerk liege, seien Strom- und Wasserversorgung ausgefallen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit - und machte die ukrainische Armee dafür verantwortlich. Zudem habe ein Block des AKW teilweise abgeschaltet werden müssen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, die Russen hätten das Gelände selbst beschossen.

Infolge der russischen Angriffe sei eine Hochspannungsleitung zum benachbarten Wärmekraftwerk beschädigt worden, teilte der ukrainische staatliche Atomkonzern Enerhoatom mit. Das ukrainische Außenministerium appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich dafür einzusetzen, dass die Russen den Ukrainern die Kontrolle über das AKW zurückgeben.

ANZEIGE

Putin und Erdogan wollen Wirtschaftsbeziehungen ausbauen

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan einigten sich bei ihrem Treffen auf den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen ihrer Länder. Bei dem Treffen am Freitag in der südrussischen Touristenmetropole Sotschi seien „sehr wichtige Entscheidungen“ im Bereich von Handel und Wirtschaft getroffen worden, sagte Russlands Vize-Regierungschef Alexander Nowak. So sollen etwa für russische und türkische Unternehmen die Bedingungen für eine Zusammenarbeit erleichtert werden.

Mit Spannung erwartet worden war vor allem, ob Putin und Erdogan über einen möglichen Erwerb von türkischen Kampfdrohnen durch Russland sprechen würden. Im Zuge seines Kriegs gegen die Ukraine hatte Moskau zuletzt Interesse an den Waffen vom Typ Bayraktar TB2 geäußert. Am Abend hieß es jedoch von Journalisten der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, die beiden Präsidenten hätten das Thema nicht angesprochen.

Lettland setzt Visa-Vergabe an Russen auf unbestimmte Zeit aus

Lettland hat die Ausstellung von Visa für Russen angesichts des Kriegs in der Ukraine auf unbestimmte Zeit weiter eingeschränkt. Die lettische Botschaft in Moskau werde von nun an nur noch Visa-Anträge von russischen Staatsbürgern entgegennehmen, die an der Beerdigung eines nahen Verwandten in Lettland teilnehmen müssten, teilte die Auslandsvertretung des baltischen EU- und Nato-Landes mit.

ANZEIGE

UEFA-Strafe nach „Putin“-Rufen durch Fenerbahce-Fans

Nach „Wladimir Putin“-Rufen durch Fans von Fenerbahce Istanbul beim Spiel gegen Dynamo Kiew hat die UEFA den türkischen Club bestraft. Fenerbahce muss 50.000 Euro Geldbuße zahlen und wurde zu einer Teil-Aussperrung seiner Fans auf Bewährung verurteilt, wie die Europäische Fußball-Union mitteilte.

Zahlreiche Fenerbahce-Anhänger hatten in der zweiten Halbzeit der Partie der zweiten Champions-League-Qualifikationsrunde in Istanbul den Namen des russischen Präsidenten skandiert. Witalij Bujalskyj (57. Minute) hatte die Ukrainer in Führung gebracht, anschließend gab es die „Wladimir Putin“-Rufe von der Tribüne. Der Vorfall wurde auch in den sozialen Medien breit diskutiert. Viele Fenerbahce-Fans äußerten ihr Bedauern über das Verhalten der Anhänger im Stadion.

21.000 Ukrainer wollen in Deutschland studieren

Laut aktuellen Zahlen der Hochschulrektorenkonferenz haben bis Juni etwa 21.000 ukrainische Studierende ein Studieninteresse in Deutschland geäußert. Hinzu kamen noch einmal 10.000 Studierende, die aus der Ukraine geflohen seien, jedoch keine ukrainische Staatsbürgerschaft haben. Das sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-Andre Alt, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Zahlen seien allerdings nicht ganz verlässlich, weil es nicht einfach sei, zu erfassen, wie viele Studierende und Studienberechtigte aus der Ukraine sich tatsächlich in Deutschland aufhielten, so Alt. Das habe auch damit zu tun, dass einige Studierende bereits in die Ukraine zurückgekehrt seien.

ANZEIGE

Alt zeigte sich zugleich optimistisch, dass viele der studieninteressierten Ukrainerinnen und Ukrainer in den kommenden Semestern ein Studium in Deutschland beginnen könnten. „Die meisten ukrainischen Geflüchteten verfügen über gute Voraussetzungen für ein Studium, sowohl was die Formalia, wie etwa wichtige Dokumente, als auch die Qualifikation angeht“, sagte der HRK-Präsident.

Für die Hochschulen könnte die wahrscheinlich erhöhte Zahl der Studienanfänger im Herbst jedoch zur Herausforderung werden. „Wir stehen vor einer schwierigen Situation: Wir wissen noch nicht genau, wozu uns die Pandemie im Herbst zwingen könnte. Hinzu kommen die stark erhöhten Energiekosten und die durch den Krieg in der Ukraine möglicherweise steigenden Studierendenzahlen“, sagte Alt.

Das wird am Samstag wichtig

Die russischen Angriffe dürften sich auch am 164. Kriegstag besonders auf das ostukrainische Gebiet Donezk konzentrieren. Die ukrainische Armee verteidigt dort etwa die Orte Soledar und Bachmut. Diese sind strategisch wichtig, weil sie Teil der Verteidigungslinie um den Ballungsraum der Städte Slowjansk und Kramatorsk sind.

Quelle: dpa/KNA
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Automarkt
Pannenhilfe und Schutz seit 1899
Gasvergleich
Gas vergleichen und sparen
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Compliance Management
ANZEIGE