Terrorgefahr gebannt

Flüchtiger Soldat tot in Belgien aufgefunden

Von Thomas Gutschker, Brüssel
21.06.2021
, 19:59
Seit Mitte Mai hielt er Belgien in Atem – nun wurde der terrorverdächtige Soldat Jürgen Conings tot aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft geht von Selbstmord aus.

Ein unter Terrorverdacht international gesuchter belgischer Berufssoldat ist am Sonntag tot aufgefunden worden. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, handelt es sich bei dem Leichnam, der in einem Waldgebiet in der Provinz Limburg gefunden wurde, um Jürgen Conings, der am 17. Mai mehrere Waffen aus seiner Kaserne entwendet hatte und danach spurlos verschwunden war. Die Autopsie am Montag ergab demnach, dass der Mann sich selbst erschoss – und zwar im Zeitraum von seinem Verschwinden bis vor einer Woche. Der genaue Todeszeitpunkt wird noch analysiert.

Der offenbar schon stark verwesende Leichnam war von zwei Mountainbike-Fahrern im zur Gemeinde Dilsem-Stokkem gehörenden Wald Dilserbos gefunden worden. Neben dem Toten lagen eine Riotgun, eine Handfeuerwaffe, ein Beil, ein Taschenmesser und Munition. Nach Angaben des belgischen Generalbundesanwalts ist die Fundstelle nur 150 Meter von dem Gebiet entfernt, das belgische Sicherheitskräfte Ende Mai tagelang durchkämmt hatten, nachdem der Wagen des 46 Jahre alten Berufssoldaten – mit einer Sprengladung versehen – in der Nähe gefunden worden war. „Das ist so, als würde man ein Reiskorn auf zwanzig Fußballfeldern suchen“, sagte Frédéric Van Leeuw.

Nach Angaben der Ermittler hatte der rechtsextremistisch eingestellte Conings in mehreren Abschiedsbriefen damit gedroht, dass er „das System und die Virologen“ angreifen werde; namentlich richtete sich seine Drohung gegen Marc Van Ranst, der an der Universität Löwen lehrt und forscht. Unmittelbar nach seinem Abtauchen hatte der Soldat dem Virulogen bei seinem Privathaus aufgelauert. Van Ranst und seine Familie wurden daraufhin an einen sicheren Ort gebracht, wo sie bis Sonntagabend bleiben mussten. Der angesehene Forscher sprach Conings Angehörigen sein Beileid aus, zeigte sich zugleich aber auch erleichtert.

Der Fall hat zu einer Überprüfung der Strukturen in der Armee und in den Sicherheitskräften geführt. Conings, der als Schieß-Ausbilder arbeitete, hatte freien Zugang zur Waffenkammer seines Stützpunkts gehabt, obwohl er vom Terror-Abwehrzentrum der Regierung als „sehr ernster Gefährder“ eingestuft worden war, von dem eine „unmittelbare Bedrohung“ ausgehe. Außerdem hatten die Streitkräfte ein Disziplinarverfahren wegen rechtsextremistischer Äußerungen eingeleitet. In der Folge wurde nun elf weiteren mutmaßlichen Rechtsextremisten der Zugang zu Waffen und sicherheitsrelevanten Informationen untersagt. Die Armee will ihr Personal künftig fortlaufenden Sicherheitschecks unterziehen, nicht nur bei der Einstellung.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Gutschker, Thomas
Thomas Gutschker
Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.
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