Ukrainekrieg

Prag liefert offenbar schwere Kampfhubschrauber an Kiew

Von Stephan Löwenstein, Wien
24.05.2022
, 20:59
Die tschechische Verteidigungsministerin Jana Černochová will die Lieferung von Kampfhubschraubern an die Ukraine weder bestätigen noch dementieren.
Der US-Verteidigungsminister lässt wissen, mit welchen Rüstungsgütern Prag die Ukraine beliefert hat. Die tschechische Verteidigungsministerin hält sich dazu bedeckt. Aber in ihrer „Panzer-Handtasche“ sei viel Platz, versichert sie.
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Die Tschechische Republik hat an die Ukraine offenbar auch Kampfhubschrauber geliefert. Das geht aus einer Aussage des amerikanischen Verteidigungsministers Lloyd Austin hervor. Austin sagte am Montagabend im Anschluss an eine virtuelle Konferenz von mehr als 40 Staaten zu Rüstungslieferungen an die Ukraine, er danke insbesondere Dänemark und der Tschechischen Republik. Die Dänen haben demnach Küstenverteidigungstechnologie geliefert, die Tschechen Panzer, Haubitzen, Raketenwerfer und eben Kampfhubschrauber. Letzteres war bislang noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Regierung in Prag hält sich generell über Einzelheiten zu den Rüstungslieferungen an die Ukraine bedeckt und wollte auch Austins Bemerkung nicht näher kommentieren.

Die tschechischen Streitkräfte verfügen über rund 50 Hubschrauber sowjetischer Bauart, mit denen auch ukrainische Piloten potentiell umgehen können. Darunter sind 17 gepanzerte und schwer bewaffnete Mi-24- beziehungsweise Mi-35-Kampfhubschreiber, die auch unter der NATO-Bezeichnung „Hind“ wie „Hirschkuh“ bekannt sind.

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Prag braucht ohnehin neue Hubschrauber

Tschechische Medien berichteten kürzlich, dass die aus der sowjetischen Zeit stammenden Hubschrauber künftig kaum mehr zu warten und instand zu halten seien, weil aus Russland wegen des Ukrainekriegs und der EU-Sanktionen keine Ersatzteile bezogen würden. Sie sollen durch amerikanische Hubschrauber der Typen Venom (Unterstützungshubschrauber) und Viper (Kampfhubschrauber) ersetzt werden. 2020 wurden davon insgesamt zwölf Stück geordert, Verteidigungsministerin Jana Černochová stellte nach Beginn des Ukrainekriegs weitere Bestellungen in Aussicht.

Über die Lieferung von T-72-Panzern und anderem schweren Gerät hatten Medien bereits breit berichtet, nicht zuletzt weil die Kampfpanzer nach einer Vereinbarung zwischen Prag und Berlin durch deutsche Leopard 2 ersetzt werden. Dass auch Kampfhubschrauber an die Ukraine gegangen sein sollen, ist neu. Černochová äußerte dazu über Twitter, sie begrüße es, dass Austin die Tschechische Republik derart wertschätze. Doch werde sie aus Prinzip die Hilfeleistungen an die Ukraine nicht näher bezeichnen. „Ich möchte nur daran erinnern, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit viele Dinge in meine Panzer-Handtasche passen und passen werden.“

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Insgesamt nahmen mehr als 40 Staaten an der Schaltkonferenz teil, darunter sämtliche Mitglieder der Europäischen Union und der NATO. Darunter waren auch neutrale EU-Mitglieder wie Österreich und Irland, aber auch Vertreter von Ländern wie Bosnien-Hercegovina, Kosovo und Kolumbien. Ein Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums, das mit einem ranghohen Beamten vertreten war, sagte auf Anfrage der F.A.Z., man habe als „zuhörender Beobachter teilgenommen“, um informiert zu sein, aber nichts angeboten.

Eine erste, etwas kleinere Runde hatte sich bereits Ende April auf Austins Einladung hin auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland getroffen, weitere Folgekonferenzen sind im Vier-Wochen-Rhythmus geplant.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Löwenstein, Stephan
Stephan Löwenstein
Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.
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