Tschetschenien

Nordkaukasische Terror-Internationale

Von Reinhard Veser
19.04.2013
, 16:10
Gegen alle „Feinde des Islams“: Doku Umarow
Seit sich der tschetschenische Rebell Doku Umarow zum Emir ausrief, ist sein erklärtes Ziel ein islamischer Gottesstaat, der den ganzen Nordkaukasus umfasst. Der Kampf gilt nicht mehr nur Russland, sondern ausdrücklich auch Amerika.
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Im Oktober 2007 legte Doku Umarow den Titel des tschetschenischen Untergrundpräsidenten ab und erklärte sich selbst zum „Emir“ eines von ihm ausgerufenen „Kaukasischen Emirats“. Damit verabschiedete er sich endgültig von dem Ziel, mit dem er Mitte der neunziger Jahre im ersten Tschetschenien-Krieg in den bewaffneten Kampf gezogen war – einem unabhängigen säkularen tschetschenischen Nationalstaat. Umarows erklärtes Ziel ist nun ein islamischer Gottesstaat, der über alle ethnischen Grenzen hinweg den ganzen Nordkaukasus umfasst. Sein Kampf gilt seither nicht nur Russland, sondern allen „Feinden des Islams“, zu denen er in verschiedenen über Video verbreiteten Botschaften ausdrücklich auch die Vereinigten Staaten zählt.

Schon im ersten Tschetschenien-Krieg von 1994 bis 1996, in dem Umarow noch ein einfacher Kämpfer war, hatte es Freiwillige aus muslimischen Ländern gegeben. Ihr Einfluss war aber gering – die Führung der Aufständischen bestand überwiegend aus säkularen Nationalisten. Vermutlich auch aufgrund von finanzieller Unterstützung aus dem Ausland wurden die Islamisten in den Jahren bis zum Beginn des zweiten Tschetschenienkriegs 1999 aber immer stärker. Ein Grund für dessen Beginn war neben Sprengstoffanschlägen auf Wohnhäuser in russischen Städten mit Hunderten Toten der Einfall islamistischer Kämpfer aus Tschetschenien in die Nachbarrepublik Dagestan. Die russische Führung um den damals gerade an die Macht gekommenen Wladimir Putin wies Kritik aus dem Westen an ihrem Vorgehen im Nordkaukasus stets mit dem Argument zurück, sie kämpfe dort gegen Terroristen einer islamistischen Internationale.

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Großes Rekrutierungspotenzial

Wie stark die Verbindungen der tschetschenischen Kämpfer zu ausländischen Islamisten damals tatsächlich waren, ist schwer zu sagen. Tatsache ist aber, dass bei großen Terroranschlägen wie der Geiselnahme im Moskauer Musical-Theater an der Dubrowka 2002 Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien eingesetzt wurden. Zudem gibt es viele Hinweise darauf, dass schon in Afghanistan unter Taliban-Herrschaft tschetschenische Kämpfer in Ausbildungslagern gewesen sein sollen. Nach dem Sturz der Taliban durch die internationalen Truppen 2001 sollen Tschetschenen auch in Terrorlagern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gewesen sein.

In fast allen muslimisch geprägten Republiken des russischen Nordkaukasus gibt es inzwischen einen bewaffneten islamistischen Untergrund. Besonders aktiv sind diese Terroristen in Dagestan, wo Sprengstoffanschläge auf Sicherheitskräfte, Behörden und Vertreter eines nicht militanten und staatstreuen Islam seit mehreren Jahren fast an der Tagesordnung sind. Aufgrund der sozialen und politischen Probleme in der Region und der Brutalität der staatlichen Gegenaktionen können die Islamisten in der jungen Generation ausreichend Kämpfer rekrutieren. Die Ursachen für die Konflikte im Nordkaukasus sind regional, aber zumindest die Führung des Untergrunds sieht sich als Teil einer internationalen Bewegung.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Veser, Reinhard
Reinhard Veser
Redakteur in der Politik.
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