FAZ plus ArtikelErdogans imperiale Ambitionen

Supermacht Türkei

Von Rainer Hermann
21.09.2021
, 08:10
Präsident Erdogan in seinem Präsidentenpalast in Ankara mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi und dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu
Frieden zu Hause, Frieden in der Welt – das war Atatürks Leitspruch. Erdogan sieht das ganz anders. Die Türkei ist ihm als Bühne längst zu klein. Eine Analyse.

Lange hatte sich die Türkei damit begnügt, ihren Einfluss mit Hilfe von „soft power“ auszuweiten. Mit Seifenopern gewann sie die Herzen der Araber, mit Waren die Gunst der Verbraucher vieler Länder. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Istanbul wieder das, was es über Jahrhunderte gewesen war: das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum einer Region, die weit über die Türkei hinausreicht. Und schließlich wurde die türkische Demokratie den nahöstlichen Nachbarn auch noch als Modell empfohlen. Die lange nach innen gekehrte Türkei war wieder eine relevante politische Größe.

Dabei hätte es bleiben können – wäre nicht die Türkei als Bühne für ihren Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu klein. Und so hat er sich zum Ziel gesetzt, dass mit der Größe seines Egos auch die Bedeutung der Türkei wachsen solle. Als ersten Schritt machte Erdogan die Türkei, deren Ausstrahlung Atatürk und seine Nachfolger auf das anatolische Rechteck beschränkt hatten, zu einer nahöstlichen Regionalmacht, die auf eigenen Beinen zu stehen vermag. In einem weiteren soll das Schwellenland am Tisch der großen, globalen Mächte einen angemessenen Platz einnehmen.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Hermann, Rainer
Rainer Hermann
Redakteur in der Politik.
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