FAZ plus ArtikelTrotz Feindschaft und Grenze

Türke liebt Griechin

Von Rainer Hermann, Kaş
16.09.2021
, 07:43
Blick von Kaş auf die nahegelegene griechische Insel Kastelorizo
Die Regierungen in Athen und Ankara begegnen einander feindselig. Doch die Bewohner der griechischen Insel Kastelorizo und des türkischen Küstenortes Kaş zeigen, dass es auch anders geht.

Tag für Tag laufen morgens um zehn Uhr die voll besetzten Ausflugsboote aus. Mehr als zwei Dutzend von ihnen nehmen dann Kurs nach Osten. Ziel ist die dreißig Kilometer entfernte antike Stadt Kekova. Sie war vor langer Zeit in das türkisblaue Wasser vor der lykischen Küste abgesunken. Die Regatta zieht an sanften, von grüner Macchia überzogenen Hügeln vorbei, und zur Rechten lässt sie eine kleine Gruppe von Inseln hinter sich, die wie grün überzogene Kieselsteine aus dem Wasser ragen. Gegen Abend sind die Ausflugsboote im beliebten Badeort zwischen Antalya und Bodrum zurück.

Seit dem 14. März vergangenen Jahres peilt jedoch kein Boot mehr Kastelorizo an, die größte Insel vor Kaş. Mit dem Beginn der Pandemie wurde der Fährverkehr zwischen den beiden Nachbarn eingestellt. Dabei trennen nur 3,8 Seemeilen die beiden Häfen, das sind zwanzig Fährminuten. An der engsten Stelle misst die Distanz zwischen dem türkischen Festland und der griechischen Insel sogar lediglich 2100 Meter. So nahe kommt keine andere griechische Insel dem türkischen Festland. Kastelorizo ist der äußerste Vorposten Griechenlands im östlichen Mittelmeer, 130 Kilometer von Rhodos, der nächstgelegenen griechischen Insel, entfernt.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hermann, Rainer
Rainer Hermann
Redakteur in der Politik.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot