Ukraine-Konferenz in Lugano

Wiederaufbau als Symbol

EIN KOMMENTAR Von Nikolas Busse
05.07.2022
, 18:26
Eine Schule im ukrainischen Charkiw nach einem Angriff am 4. Juli
Die Pläne zum Wiederaufbau der Ukraine sind ein Signal an die Bevölkerung des Landes und an Putin. Realistisch sind sie in nächster Zeit allerdings nicht.
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Dass der Krieg noch nicht vorbei, schon gar nicht entschieden ist, spricht nicht grundsätzlich gegen Pläne zum Wiederaufbau der Ukraine. Sie enthalten, wie so vieles in diesen Tagen, vor allem das politische Symbol, dass die Ukraine zum freien Westen gehören soll.

Das ist nützlich als ein (weiteres) Signal an Putin und mehr noch als Ansporn für die ukrainische Be­völkerung. Sie wird Entbehrungen und Leid leichter ertragen, wenn sie weiß, wofür ihre Soldaten kämpfen. Gerade von der EU wäre es höchst in­konsequent gewesen, die Ukraine zum Beitrittskandidaten zur ernennen und sie dann allein zu lassen.

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Zerstörung durch neue Angriffe?

Eine ganz andere Frage ist, wie realistisch ein substanzieller Wiederaufbau in nächster Zeit ist. Selbst in Gebieten, welche die Ukraine zu­rück­erobern konnte, fehlt die Ge­währ, dass neue russische Angriffe nicht doch wieder zerstören, was mit westlichem Geld aufgebaut wird. Überhaupt kann heute niemand sa­gen, welche Teile der Ukraine unabhängig bleiben werden, das setzt der Planung enge Grenzen.

Und dass die Ukraine ein grün-demokratisches Mus­terländle wird, lässt sich leichter in Lugano beschließen als in Kiew durchsetzen. Man darf sich die Pro­bleme mit Korruption und Oligarchen nicht schönreden, westliches Steuergeld sollte nicht in dunklen Ka­nälen verschwinden. Die Be­schlag­nahmung russischen Auslandsvermögens wird da nicht in je­dem Fall ein Ausweg sein. Sie muss vor Gerichten standhalten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Busse, Nikolas
Nikolas Busse
Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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