FAZ plus ArtikelVorwürfe aus Kiew

„Russland stiehlt Kinder, um sie adoptieren zu lassen“

Von Gerhard Gnauck, Danzig
12.08.2022
, 10:56
Was geschieht mit den ukrainischen Kindern in der Ostukraine? Ein verwaister Spielplatz in Borodyanka
Die Ukraine beklagt bisher mehr als 2100 Zwangsadoptionen von Waisenkindern durch Russland. Putins Kinderbeauftragte spielt darin eine zentrale Rolle.
ANZEIGE

Wer ukrainisches Fernsehen schaut, der bekam im April und Mai mehrfach den Namen Kira Obedynska zu hören. Am Anfang ohne das Gesicht dazu. Die zwölf Jahre alte Kira war Halbwaise, bald nach Beginn des Krieges in der Ukraine auch Vollwaise. Ihr Vater wurde im von den russischen Truppen belagerten Mariupol, der Heimatstadt der Familie, erschossen – als er in seiner Wohnung auf dem Balkon stand. Daraufhin versuchte eine Gruppe von Einwohnern, darunter Kira, zu Fuß aus der Stadt zu fliehen. Ein Kind berührte eine Mine; auch Kira wurde durch die Explosion verletzt. Sie wurde be­handelt. Am Ende brachten russische oder prorussische Kämpfer das Mädchen nach Donezk, in die 2014 unter Moskauer Anleitung gebildete sogenannte Donezker Volksrepublik (DNR). Dort lag sie wochenlang im Krankenhaus.

Doch ihr Großvater Olexander Obedynskyj, der wie der erschossene Vater im Leistungssport zu Hause ist, „setzte fast die ganze Welt in Bewegung“, berichtete später eine Fernsehsprecherin. Er war zuvor in den nicht besetzten Teil der Ukraine geflohen. Es gelang ihm, das Mädchen aus der DNR herauszuholen und über Umwege zu sich zu holen. Auf Zwischenstation war Kira in Kiew in einem Krankenhaus. Eines Tages öffnete sich die Tür zum Krankensaal, es kam Besuch. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kam herein, ebenso die Ministerin für die Reintegration der besetzten Gebiete, Iryna Wereschtschuk. Beide trugen die olivgrüne Arbeitskluft des Krieges. Nun war das Mädchen auch selbst im Fernsehen zu sehen. Wenig später waren Kira und ihr Großvater in Czernowitz in der Westukraine in Sicherheit. Dort heulen die Sirenen des Luftalarms nur selten.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gnauck, Gerhard
Gerhard Gnauck
Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.
Twitter
  Zur Startseite
Lesermeinungen
Alle Leser-Kommentare
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Automarkt
Pannenhilfe und Schutz seit 1899
Gasvergleich
Gas vergleichen und sparen
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Compliance Management
ANZEIGE