FAZ plus ArtikelWenn ein Siegertyp verliert

Trump, das Opfer

EIN KOMMENTAR Von Andreas Ross
Aktualisiert am 27.11.2020
 - 13:03
Zum ersten Mal seit der Wahl beantwortete Trump am Donnerstag die Fragen einiger Journalisten.
Der Präsident wird das Weiße Haus rechtzeitig verlassen. Aber er wird niemals eingestehen, dass er die Wahl verloren hat. Denn er hat immer schon Lügen in neuen Lügen erstickt.

Schon vor Jahrzehnten hat Donald Trump für sich entschieden, dass Verlierer immer nur die anderen sind. Den Amerikanern versprach er schon im Wahlkampf 2016, dass sie unter seiner Präsidentschaft nur noch ein Problem haben würden: „Ihr werdet das ständige Gewinnen satthaben.“ Da aber selbst der Autor des Bestsellers „The Art of the Deal“ immer wieder Rückschläge und Niederlagen einstecken muss, hat er für solche Fälle eine andere Rolle eingeübt: die des Opfers.

Vom Opfer Trump wird die Welt in den nächsten Wochen, Monaten und vermutlich Jahren noch viel zu hören bekommen. „Mit Sicherheit“ werde er das Weiße Haus für Joe Biden räumen, wenn der bei der Abstimmung der Wahlleute am 14. Dezember am meisten Stimmen, stellte Trump am Donnerstag zwar erstmals fest. Aber nicht ohne hinzuzufügen, dass das „sehr schwer“ werde, „denn wir wissen, dass es massiven Betrug gab“. Dass „die Medien“ in ihren Berichten ersteres hervorhoben, und nicht die seit Wochen in Hunderten Tweets und Äußerungen des Präsidenten wiederholte Falschbehauptung vom Wahlbetrug, wertete Trump als schlagenden Beweis für eine Verschwörung der „Fake News“: Der wichtigste Punkt, den er auf seiner Pressekonferenz gemacht habe, sei doch dieser gewesen: „Die Wahl war manipuliert, und ich habe gewonnen.“

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Ross, Andreas
Andreas Ross
Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.
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