FAZ plus ArtikelNeue Migrationsrouten

Ein zweites Moria auf den Kanaren?

Von Hans-Christian Rößler und Franca Wittenbrink
Aktualisiert am 21.10.2020
 - 13:13
Keiner weiß, wie viele die Fahrt über den Atlantik überleben: Ein leeres Holzboot treibt am Freitag vor den Kanarischen Inseln auf dem Meer.zur Bildergalerie
Zweitausend Migranten innerhalb von zwei Wochen: Immer mehr Menschen versuchen, über die gefährliche Atlantikroute auf die spanischen Kanaren zu gelangen. Die Inseln sind überfordert. Sie fordern Unterstützung vom Festland.

Fünfzehn Boote hat Jenice Schwob allein an der Küste von Lanzarote ankommen sehen. „Du kannst die Uhr danach stellen“, sagt die deutsche Notfallsanitäterin. „Wenn das Meer ruhig ist, dann kannst du sicher sein: In den kommenden 24 Stunden wird das nächste angespült.“ Seit Anfang August arbeitet die 29 Jahre alte Frau aus Hannover auf der Kanareninsel und versorgt dort ankommende Bootsmigranten am Strand.

So viele wie in diesem Oktober waren es noch nie in einem so kurzen Zeitraum. Innerhalb von zwei Wochen landeten gut 2000 afrikanische Migranten auf den spanischen Atlantik-Inseln. Das ist ein Viertel der insgesamt mehr als 8000 Menschen, die in den ersten zehn Monaten dieses Jahres dort ankamen. Am Montag kamen weitere 300 Migranten an. An der Hafenmole von Arguineguín auf Gran Canaria warten mittlerweile 800 Neuankömmlinge auf einen Platz in den überfüllten Aufnahmeeinrichtungen. Erinnerungen an die Cayuco-Krise werden wach. Im Jahr 2006 setzten 32.000 Migranten mit ihren oft selbstgezimmerten Schiffen auf die Kanaren über.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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