Fall Skripal

Russische Verdächtige mit Verbindung zu Geheimdienst

15.09.2018
, 19:54
Boschirow (l) und Petrow geben in dem Interview zu, am Tag des Anschlags in Salisbury gewesen zu sein – allerdings nur als Touristen.
Die zwei Männer, die den Giftanschlag auf den früheren Agenten Skripal verübt haben sollen, haben sich als harmlose Touristen beschrieben. Ein investigatives Recherchenetzwerk präsentiert jetzt gegenteilige Beweise.
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Die beiden Verdächtigen im Fall Skripal könnten entgegen der Behauptungen von Präsident Putin doch eine Verbindung zum russischen Geheimdienst haben. Das berichtet das investigative Recherchenetzwerk Bellingcat mit Verweis auf gemeinsame Untersuchungen mit der Website „The Insider Russia“. Bei einer Analyse der geleakten Reisepässe der Beschuldigten stellten die Plattformen diverse Hinweise auf eine geheimdienstliche Tätigkeit fest. Zudem widerlegen sie die Aussagen der beiden Russen, dass die Reise nach Salisbury schon lange Zeit geplant gewesen sei.

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Die Dokumente, die dem Recherchenetzwerk vorliegen, zeigen nach Angaben von Bellingcat, dass die beiden Verdächtigen unter den Namen Alexander Yevgenievich Petrow und Ruslan Timurovich Boschirow in der zentralen Einwohner-Datenbank Russlands registriert seien. Allerdings stammten die ersten Eintragungen aus dem Jahr 2009. Aus den bis 2009 fehlenden Angaben schließen die Autoren, dass es sich bei den Namen lediglich um Decknamen des russischen Geheimdienstes handele. Petrovs Pass beinhalte zudem verschiedene Eintragungen, die Mitgliedern des Geheimdienstes vorbehalten sei. Einen weiteren Hinweis für eine Verbindung zum Staatsapparat sieht das Recherchenetzwerk darin, dass die Pässe nahezu zum selben Zeitpunkt ausgestellt worden seien.

Neben den Reisepässen griffen die Netzwerke auch Äußerungen aus einem Fernseh-Interview der Verdächtigen im russischen Staatssender RT auf. Dort gaben die beiden an, sie hätten den Salisbury-Besuch schon lange geplant gehabt. Die Passagierlisten der Fluglinie Aeroflot, mit der die Russen nach London flogen, sprächen laut Bellingcat dagegen für einen kurzfristigen Entschluss. Aus den Daten ginge hervor, dass Petrow und Boshirow erst wenige Stunden vor dem Abflug ihre Tickets gebucht hätten. Außerdem würde Petrows Passnummer nicht mit dem Dokument übereinstimmen, mit dem er nach Salisbury gereist war.

Die Regierung Großbritanniens wirft den Verdächtigen den versuchten Mord an dem ehemaligen russischen Geheimdienstmitarbeiter Sergej Skripal vor. Skripal und seine Tochter waren im März mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden und bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden worden. Die Ermittler sicherten Spuren des Nervengifts sowohl an der Haustür der Skripals als auch in einem Londoner Hotel, in dem Boschirow und Petrow eingecheckt hatten.

Bellingcat

Das Recherchenetzwerk Bellingcat wurde 2014 von dem Netzaktivisten Eliot Higgins gegründet. Es erlangt erstmals internationale Aufmerksamkeit mit Untersuchungen zum Absturz des Passagierflugzeugs MH 17 über der Ukraine.

Quelle: FAZ.NET
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