Wahlkampf in Amerika

Obama auf allen Kanälen

30.10.2008
, 12:48
Obama wirbt zur besten Sendezeit auf mehreren Kanälen gleichzeitig für seine Politik
Es war eine „perfekte“ Inszenierung und der teuerste Wahlwerbespot in der amerikanischen Geschichte: Sechs Tage vor der Präsidentenwahl hat der demokratische Kandidat Obama in einem 30-minütigen Fernsehspot zur besten Sendezeit die Wähler für sich mobilisiert.

Mit einer halbstündigen Fernseh-Wahlwerbung zur besten Sendezeit hat der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama noch einmal die Wähler für sich mobilisiert. Unmittelbar vor einem mit Spannung erwarteten Baseball-Spiel warb Obama am Mittwochabend (Ortszeit) auf den drei größten amerikanischen Fernsehsendern CBS, NBC und Fox um die Gunst der Wähler und stellte den Wahltag am kommenden Dienstag als historischen Augenblick für das amerikanische Volk dar.

Die vergangenen acht Jahre hätten gezeigt, „wie die Entscheidungen eines Präsidenten eine tiefgreifende Wirkung auf den Lauf der Geschichte und auf das Leben der Amerikaner haben können“, sagte Obama. Ungeachtet der derzeitigen Wirtschaftskrise, der Kriege und der Zukunftsangst gebe es aber weiter Optimismus, Hoffnung und Stärke. „Ich werde kein perfekter Präsident sein“, sagte Obama an die Zuschauer gewandt. „Aber eines kann ich Ihnen versprechen: Ich werde Ihnen immer sagen, was ich denke und wo ich stehe.“

250 Millionen Dollar für Wahlwerbung

Der Spot zeigte unter anderem Obama in einer dem Amtszimmer des Präsidenten im Weißen Haus ähnlichen Kulisse. Außerdem wurden Bilder vom Parteitag der Demokraten und anderen Wahlveranstaltungen eingeblendet. Auch Obamas Ehefrau Michelle und seine zwei kleinen Töchter waren zu sehen sowie Fotos seines verstorbenen schwarzen Vaters aus Kenia und seiner aus Kansas stammenden weißen Mutter, die ebenfalls nicht mehr lebt. Das Programm endete mit einer Live-Schaltung zu einer Wahlkundgebung Obamas in Florida.

Der frühere Präsident Bill Clinton trat erstmals gemeinsam mit Obama im Wahlkampf auf
Der frühere Präsident Bill Clinton trat erstmals gemeinsam mit Obama im Wahlkampf auf Bild: AP

Ein Kommentator des Fernsehsenders MSNBC nannte die Produktion „perfekt“. „Man muss schon ein harter Knochen sein, wenn man davon nicht gerührt war.“ Ein Korrespondent des Magazins „Newsweek“ meinte, nichts sei dem Zufall überlassen worden. Die vorgestellten Amerikaner kämen alle aus Staaten, in denen die Wahl entschieden werde.

Branchenkenner schätzten die Kosten für die Marathon-Wahlwerbesendung im Fernsehen auf mindestens drei Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro). Zuletzt hatte der Milliardär Ross Perot, der bei der Präsidentschaftswahl 1992 als unabhängiger Kandidat antrat, einen ähnlichen langen Spot geschaltet. Insgesamt hat Obama dank seines hohen Spendenaufkommens nach Schätzung von Experten bislang rund 250 Millionen Dollar für Wahlwerbung ausgegeben. John McCain von den Republikanern kritisierte den 30-minütigen Marathon-Werbespot als schönen Schein und erneuerte seine Charakterangriffe auf Obama.

Bill Clinton kämpft für Obama

Der frühere Präsident Bill Clinton trat unterdessen erstmals gemeinsam mit Obama im Wahlkampf auf. Clinton versprach bei der Wahhlkampfveranstaltung in Florida, der schwarze Senator sei der richtige Mann, um die Vereinigten Staaten aus der Wirtschaftskrise zu führen. In Anspielung auf den Vorwurf von Obamas republikanischem Rivalen John McCain, Obama plane die Umverteilung von Reichtum, sagte er, die Republikaner hätten in den vergangenen acht Jahren „die größte Umverteilung von Reichtum von unten nach oben seit den 20er Jahren geleitet - und wir alle wissen, wohin das geführt hat“. Obama habe einen genauen Plan zum Umgang mit der Wirtschaftskrise, versprach Clinton. Die Demokraten hätten in der Vergangenheit mehr Millionäre und Milliardäre gemacht als die Republikaner unter George W. Bush. Obama werde jetzt abermals dafür sorgen, dass die Einkommen der Mittelklasse stiegen.

Quelle: FAZ.NET
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