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FAZ plus ArtikelAsylpolitik in Griechenland

Warum Athen in der Migrationskrise kaum Hilfe anfordert

Von Michael Martens
 - 15:11
Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos

Es kommt nicht oft vor, dass Regierungschefs öffentlich zugeben, entscheidende Fehler begangen zu haben. In Griechenland war es dieser Tage aber der Fall, als Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in einem Fernsehinterview eingestand, es sei falsch gewesen, das zur Zeit seines Vorgängers Alexis Tsipras aufgebaute Migrationsministerium abgeschafft zu haben. Hätte er vor sechs Monaten gewusst was er heute wisse, hätte er es nicht aufgelöst, so Mitsotakis. Als seine Regierung nun die Wiedergründung eben jenes Ministeriums ankündigte, kommentierte Oppositionsführer Tsipras, dem bisher sonst kaum ein Stich gegen seinen Nachfolger gelingt, diese Kehrtwende genüsslich: Mitsotakis habe sechs Monate und sieben Tage gebraucht, um einzusehen, was für ein Durcheinander er durch seine Entscheidungen in der Migrationskrise verursacht habe.

Das, was Mitsotakis bei seinem Amtsantritt im Sommer 2019 nicht gewusst haben will, ist inzwischen unübersehbar: Die Migrationskrise wächst sich zur größten Bewährungsprobe seiner Amtszeit aus. Inzwischen neigt der Regierungschef auch nicht mehr dazu, die Aufgabe kleinzureden. Die Ernennung eines Ministers für Migration ist nur ein Anzeichen dafür. Das undankbare Portefeuille wurde Panagiotis Mitarakis übertragen. Der galt nicht als Migrationsfachmann, lernt derzeit aber notgedrungen und nicht immer auf angenehme Art im Eiltempo dazu. Auf Lesbos, Chios, Samos und Leros, den am stärksten von der Krise betroffenen Inseln, bläst ihm der Wind von allen Seiten entgegen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Martens, Michael
Michael Martens
Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.
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