FAZ plus ArtikelProzess im Fall George Floyd

Schwarze und Weiße

EIN KOMMENTAR Von Frauke Steffens
04.04.2021
, 09:33
Ein Demonstrant während der Proteste nach dem Tod von George Floyd im Mai 2020
Weiße Amerikaner müssen mehr tun, als nur Bücher zu lesen und auf Proteste zu gehen – wenn sie das denn wollen.
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„Gerechtigkeit für George ­Floyd“, ­riefen im vergangenen Sommer Hunderttausende Demonstranten wochenlang. An den Protesten nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners beteiligten sich allein bis Anfang Juli bis zu 26 Millionen Menschen – es soll die größte Bewegung in der Geschichte des Landes gewesen sein. Bücher über Antirassismus schnellten an die Spitze der Bestsellerlisten, Kommunen malten „Black Lives Matter“-Schriftzüge auf Straßen und beseitigten Denkmäler für Rassisten. Nun steht der Polizist Derek Chauvin in Minneapolis vor Gericht – er wurde dabei gefilmt, wie er Floyd Ende Mai vergangenen Jahres mit seinem Knie so lange die Luft abdrückte, bis dieser starb. „Gerechtigkeit für George Floyd“, das erhofften sich viele Menschen danach nicht in erster Linie von einem Gerichtsverfahren, sondern von durchgreifenden Polizeireformen und einer rücksichtslosen Konfrontation Weißer mit strukturellem Rassismus.

Viele Menschen setzen in das Urteil gegen Derek Chauvin trotz der Videos von der Tat keine großen Hoffnungen. Die Erfahrung zeigt, dass Polizisten äußerst selten verurteilt werden für Taten, die sie im Dienst begehen – selbst dann, wenn es Videos davon gibt. Die Beamten, die in Los Angeles 1991 vor laufenden Kameras Rodney King misshandelten, kamen ebenso ohne strafrechtliche Konsequenzen davon wie Daniel Pantaleo, der 2014 Eric Garner in New York mutmaßlich erstickte und dabei gefilmt wurde.

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Quelle: F.A.S.
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