Mahnung zur Vorsicht

WHO dämpft Impf-Erwartungen

Von Joachim Müller-Jung
20.05.2021
, 17:24
Ein medizinischer Mitarbeiter füllt im Kedren Community Health Center im Süden von Los Angeles den Impfstoff von Moderna in eine Spritze.
Wie real die Bedrohungen durch mutierte Sars-Cov-2-Viren mit Immun-Fluchtmutationen sind, macht eine im New England Journal of Medicine publizierte Studie deutlich.
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Alle in Europa zugelassenen Corona-Impfstoffe sind gegen die derzeit grassierenden, als potentiell bedrohlich eingestuften Varianten des Covid-19-Erregers wirksam und schützen weiterhin vor schwerer Erkrankung. Das hat am Donnerstag der Europa-Direktor der Weltgesundheitsorganisation, Hans Kluge, in einer Pressekonferenz hervorgehoben. Dennoch gelte es weiterhin, Vorsicht walten zu lassen und die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen beizubehalten. Von Auslandsreisen riet er angesichts der Infektionslage ab. Kluge sagte auch, man dürfe nicht zu hohe Erwartungen an die Impfungen haben.

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Wie real die Bedrohungen durch mutierte Sars-Cov-2-Viren mit Immun-Fluchtmutationen sind, hat eine am Donnerstag im New England Journal of Medicine publizierte Studie deutlich gemacht. In der Untersuchung, die zu Beginn der Infektionswelle mit der Variante B.1.315 in Südafrika gestartet worden war, sind die Wirksamkeitsverluste des Vektor-Impfstoffs von AstraZeneca dokumentiert. Von etwa anderthalbtausend in die Auswertung einbezogenen Probanden erhielt etwa die Hälfte den Impfstoff, die anderen ein Scheinpräparat. Die Probanden wurden drei bis vier Monate nach der zweiten Impfdosis beobachtet. Zu schweren Verläufen kam es bis dahin in der Gruppe nicht. Insgesamt erkrankten 42 Studienteilnehmer, allesamt mit milden bis moderaten Symptomen, wobei 39 von der Variante B.1.315 verursacht wurden. Etwas weniger als die Hälfte dieser Covid-19-Fälle trat unter den Geimpften auf.

„Die Zweifachdosis des Impfstoffs zeigte keinen Schutz vor einer milden bis moderaten Erkrankung“, resümiert das Team der Witwatersrand-Universität. Da die Impflinge im Mittel etwa 30 Jahre alt waren, lässt sich wenig über den Schutz vor schwerer Krankheit bei den gefährdeteren älteren Menschen aussagen. Nach zusätzlichen Labortests wurde die Wirksamkeit des Impfstoffs durch das Auftreten der Variante auf zehn bis zwanzig Prozent heruntergestuft. In den Zulassungsstudien – damals noch mit dem Ursprungsvirus – hatte die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen milde bis moderate Erkrankung bei 75 Prozent gelegen.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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