FAZ plus ArtikelUiguren in China

Wer betet, kommt ins Lager

Von Friederike Böge, Kargilik/Hotan/Keriya
17.10.2020
, 09:18
China tilgt in Xinjiang die Identität der Uiguren. Peking bestreitet das. Man dürfe gerne gucken kommen, sagte der Außenminister. Unsere Korrespondentin nahm ihn beim Wort – und wurde auf Schritt und Tritt behindert.

Wie ein Ausrufezeichen thront der vierstöckige Rohbau eines Einkaufszentrums über dem zentralen Platz von Kargilik. Ist das der Ort, an dem bis vor kurzem die Freitagsmoschee aus dem 16. Jahrhundert stand? „Weiß ich nicht“, sagt eine Händlerin, die direkt vor der Baustelle auf einem Schemel sitzt. Dann nickt sie vorsichtig und gibt einen Ton von sich. „Sch“, als wolle sie sagen, dass über dieses Thema Schweigen verordnet wurde.

Die Große Moschee von Kargilik war einmal das Wahrzeichen der Stadt. Freitags versammelten sich hier Tausende Gläubige zum Gebet. Im Jahr 2007 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Vor gut einem Jahr wurde sie abgerissen. So wie Tausende andere religiöse Stätten in Chinas westlicher Region Xinjiang. Die Zerstörungswelle hat sogar einen Namen: Moschee-Verbesserungs-Programm. Es ist Teil einer staatlichen Kampagne zur Neudefinition dessen, was es heißt, Uigure zu sein.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot