FAZ plus ArtikelTod von Bagdadi und Bin Ladin

Gezielte Tötungen als gerechte Strafe?

Von Marlene Grunert
Aktualisiert am 31.10.2019
 - 06:38
Ein Screenshot aus einem undatierten VIdeo, in dem Abu Bakr al-Bagdadi zu sehen ist.
Der Tod Bagdadis erinnert an die Ergreifung Usama bin Ladins. Doch während der Einsatz in Syrien mit dem Einverständnis der dortigen Regierung stattfand, handelte Obamas Regierung in fremdem Hoheitsgebiet.

Mit Freudenbekundungen hat sich die Bundeskanzlerin dieses Mal zurückgehalten. Nach dem Tod des IS-Anführers Abu Bakr Al Bagdadi erinnerte Regierungssprecher Steffen Seibert an die Opfer der Terrormiliz: „Wir denken an die Menschen in Europa und auf der Welt, die in terroristischen Anschlägen des IS ihr Leben verloren haben“ und „an die, die um sie trauern.“ Mörderische Befehle könne Bagdadi nun nicht mehr geben, sagte Seibert. Sein Tod bedeute allerdings nicht, dass der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ beendet sei.

Vor acht Jahren hatte sich Angela Merkel noch selbst zu Wort gemeldet: „Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Usama Bin Ladin zu töten“, äußerte sie nach der erfolgreichen amerikanischen Operation gegen den Anführer des Terrornetzes Al Qaida in Pakistan. Die amtliche Freude über den Tod eines Feindes irritierte nicht nur in moralischer Hinsicht. Unter Juristen reichte der Unmut bis zum UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, wo man sich über die Wortwahl der Kanzlerin „höchst befremdet“ zeigte. Selbst die Amerikaner hätten sich zurückhaltender geäußert.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Grunert, Marlene
Marlene Grunert
Redakteurin in der Politik.
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