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Reaktionen aus Israel

„Deutschland ist wieder gefährlich für Juden“

Von Christian Meier
Aktualisiert am 10.10.2019
 - 14:55
Vor der Synagoge in Halle
Politiker und Medien in Israel kommentieren den Anschlag auf die Synagoge in Halle. Vom „Mythos“ eines besseren Deutschlands ist die Rede. Juden seien „wieder einmal leichte Beute geworden“.

In Israel herrschte nach dem Angriff von Halle große Besorgnis – nicht nur unmittelbar wegen des Vorfalls, bei dem die jüdische Gemeinde wohl nur knapp einem Massaker entgangen war, sondern mit Blick auf die generelle Lage von Juden in Deutschland. Die Einschätzungen darüber, wie weitverbreitet und gefährlich der Antisemitismus mittlerweile ist und wie die Politik darauf reagiert, sind freilich unterschiedlich.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte noch am Mittwochabend auf Twitter geschrieben, der „Terroranschlag“ sei „ein weiteres Zeichen dafür, dass der Antisemitismus in Europa auf dem Vormarsch ist“. Die deutschen Behörden müssten „weiterhin entschlossen“ dagegen vorgehen, forderte Netanjahu, der nach der Parlamentswahl um den Verbleib im Amt kämpft. Sein Kontrahent Benny Gantz sprach nach der Attacke von einem „Weckruf“. Antisemitismus müsse mit aller Kraft bekämpft werden, sagte der Vorsitzende der Partei Blau-Weiß den Zeitungen der Funke Mediengruppe; „das schließt die Verbreitung von Hassbotschaften im Internet ein“.

„Mythos eines anderen Deutschlands“

Deutlich kritischere Worte über Deutschland fand die Gratiszeitung „Israel Hajom“. In einem Kommentar sprach das auflagenstarke, Netanjahu-nahe Blatt von antisemitischer Gewalt als einer „Epidemie“, die nicht mehr heruntergespielt werden könne. „Deutschland ist wieder ein Ort geworden, der gefährlich für Juden ist“, warnte der Kommentator. Diese Realität werde jedoch geleugnet – von den Behörden, von den Führungspersönlichkeiten der jüdischen Gemeinden, von israelischen Einwanderern. Sie alle versuchten, den „Mythos eines ,anderen Deutschlands‘ zu verkaufen“; dieser stoße jedoch auf eine „schreckliche tägliche Realität“.

Auf die auch in Deutschland kontrovers diskutierte Frage, aus welcher Richtung Juden derzeit die größte Gefahr droht, hat der Beitrag in „Israel Hajom“ eine klare Antwort: Auch wenn der Attentäter von Halle der extremen Rechten zuzuordnen sei, gehe der Großteil der Angriffe auf Juden von arabischen und muslimischen Einwanderern aus. Die tägliche physische Bedrohung der Sicherheit von Juden in Deutschland, so schreibt der Autor, werde „auf dem Altar von Deutschlands beschwichtigender Politik gegenüber arabisch-islamischem Antisemitismus geopfert“. Er legt nahe, dass erst die folgenlosen Angriffe auf Juden durch Muslime und Araber die Rechten ermuntert hätten, es ihnen gleichzutun. Die Konsequenz: „Die Juden in Deutschland sind wieder einmal leichte Beute geworden.“

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Merkel nach Anschlag in Halle
„Wir sind froh um jede Synagoge“

Eine andere Position vertritt der israelische Historiker Moshe Zimmermann. Er wies im israelischen Radio darauf hin, dass der Angriff in Halle das Produkt eines „globalen und europäischen Nazismus, Neonazismus, Faschismus“ sei. Ein Feind dieser Kreise sei „jeder, der nicht weiß ist, jeder, der nicht christlich ist, und jeder, der schwach ist“. Juden würden ebenso zum Ziel wie Muslime, Behinderte oder Homosexuelle.

Zimmermann ist allerdings nicht der Meinung, dass diese Art von Geisteshaltung im heutigen Deutschland weitverbreitet sei. „Die Öffentlichkeit ist in ihrer überwältigenden Mehrheit nicht antisemitisch“, sagte er. Es würden sehr systematische Bildungsanstrengungen gegen Antisemitismus und Nazismus unternommen, und „es gibt eine große Sensibilität für diese Themen“.

Dass sowohl Juden als auch Muslime unter einem erstarkenden Rechtsextremismus litten, ist auch der Tenor eines Kommentars in der linksliberalen Zeitung „Haaretz“. Darin heißt es: „Die Schüsse auf die Synagoge in Ostdeutschland waren nicht nur ein antisemitischer Angriff. Es war auch ein Angriff auf Einwanderung.“ Der Autor hebt die Ähnlichkeit des Attentats zu jenen hervor, die im Oktober 2018 auf eine Synagoge im amerikanischen Pittsburgh und im März auf eine Moschee im neuseeländischen Christchurch verübt wurden. „Es handelt sich um eine globale, rassistische White-Supremacy-Ideologie, die liberale Offenheit gegenüber Einwanderern, gegenüber Frauen- und Schwulenrechten sowie Toleranz gegenüber Minderheiten als Bedrohung für die weiße Rasse sieht.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Meier, Christian
Christian Meier
Redakteur in der Politik.
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