FAZ plus ArtikelPakistan nach der Katastrophe

Ein weggespültes Land ohne Trinkwasser

Von Till Fähnders, Sehwan
12.09.2022
, 19:53
Wo Wasser ist, ist trotzdem ein Weg: Eine Straße in der Provinz Sehwan, die weiterhin genutzt wird.
Die Flutkatastrophe in Pakistan sucht in der Geschichte ihresgleichen. Die Lage ist dramatisch, die Verzweiflung wächst. Für die Frage, wie viel Schuld die Industriestaaten trifft, haben die Betroffenen derzeit keine Zeit.
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Die Soldaten ziehen als Erstes die Kinder aus dem Motorboot, dann die Frauen und Männer. Die Gesichter der Flutopfer spiegeln die Anstrengungen ihrer Flucht wieder. Sie hatten die vergangenen Tage auf einem erhöhten Teil ihres Dorfes verbracht, der noch aus dem Wasser herausschaut. Ein Soldat trägt eine gekrümmte Greisin auf dem Arm über die erhöht liegenden Bahnschienen, an denen das Militärboot angelegt hat. Die zahnlose Frau stößt einen anhaltenden Klageruf aus. Von den Schienen bringt der Soldat die Frau direkt in einen Krankenwagen, der an dem kleinen Rettungsstützpunkt, den die Militärs aufgebaut haben, immer bereitsteht. Der Wagen fährt über die Straße, die nun aussieht wie ein Damm in einem endlosen See, in Richtung des Krankenhauses im Ort Sehwan in der südpakistanischen Provinz Sindh.

Etwas weiter die Straße hinauf ist gerade ein Holzboot eingetroffen, das bis zum Anschlag mit den Habseligkeiten einer Familie vollgeladen ist. Drei Brüder sind nach dem Anlegen damit beschäftigt, die Dinge an das Ufer zu schleppen: eine kleine Waschmaschine, eine Standklimaanlage, zwei Säcke mit Decken und Matratzen und eine große Metallkiste. „Das ist alles, was wir aus der Flut retten konnten“, sagt der 22 Jahre alte Muhammad Sharif. Vor zwei Tagen war das Wasser in seinem Dorf auf einmal rasch gestiegen. „Es stieg so hoch, dass man darin untergehen könnte“, sagt der Pakistani. Er selbst habe es mit der Angst bekommen. Zwei Nächte harrte die Familie auf dem Haus aus. Erst vor einigen Stunden, am Abend, holte sie eines der Boote ab. Die Familie verbrachte die Nacht danach in einem Zelt. Die Brüder sind zurückgekommen, um die letzten Besitztümer vom Dach des Hauses zu retten.

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Quelle: F.A.Z.
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Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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