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Libyen

Zahlreiche Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager

Von Christoph Ehrhardt, Beirut
 - 10:47
Migranten suchen nach dem Angriff auf das Lager bei Tripolis in den Trümmern nach ihren Habseligkeiten.

In Libyen sind mehrere Dutzend afrikanische Migranten getötet worden, als ein Internierungslager von einem Luftangriff getroffen wurde. Laut vorläufigen Angaben der Gesundheitsbehörden und der Rettungskräfte vom Mittwochmorgen gab es 40 Tote, die meisten untern ihnen waren Flüchtlinge. Weitere 80 Personen wurden demnach verletzt, als das Lager in dem Ort Tadschura im Osten der Hauptstadt Tripolis in der Nacht zum Mittwoch getroffen wurde. Die unter Vermittlung der Vereinten Nationen eingesetzte Regierung der Nationalen Übereinkunft bezichtigte den „Kriegsverbrecher“ Chalifa Haftar. Der ostlibysche Militärführer hatte im Frühjahr einen Feldzug zur Eroberung der libyschen Hauptstadt begonnen. Ein Sprecher seiner Libyschen Nationalen Armee (LNA) bestritt die Vorwürfe.

Seit Monaten tobt in Tripolis und der Umgebung der Hauptstadt ein Stellungskrieg in Stadtvierteln. Der Luftangriff von Tadschura hat die bislang größte Zahl an Todesopfern unter Zivilisten in der aktuellen Konfrontation gefordert. Der Vorfall fällt in eine Zeit, in der Haftars Truppen Rückschläge auf dem Schlachtfeld verkraften müssen. So erlangten die Kräfte der Übereinkunftsregierung zuletzt wieder die Kontrolle über den strategisch wichtigen Ort Gharyan im Süden der Hauptstadt, von wo Haftar seine Tripolis-Kampagne begonnen hatte. Erst am Montag kündigte die LNA an, die Luftangriffe zu intensivieren, nachdem „traditionelle Mittel“ ausgeschöpft seien. Die Truppen Haftars verfügen nicht nur über ältere Kampfflugzeuge. Nach übereinstimmenden Berichten von libyschen Milizkommandeuren und westlichen Diplomaten unterstützen die Vereinigten Arabischen Emirate Haftar mit Drohnen.

War auf dem Gelände ein Waffenlager?

Es deutet einiges darauf hin, dass der ostlibysche Militärführer für den Luftangriff verantwortlich ist. In Tadschura liegen mehrere Stützpunkte von Milizen, die gegen Haftar kämpfen. Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet hat, sei es nicht der erste Angriff auf die Anlage gewesen. Am 10. Mai habe es in der Nähe eingeschlagen und auch in der Nacht zum 7. Mai gab es demnach einen Luftangriff etwa hundert Meter vor dem Internierungslager entfernt. Dort werden die Migranten in stillgelegten Flugzeughangars festgehalten. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen durchschlugen schwere Metalltrümmer das Dach eines dieser Hangars. Augenzeugen berichteten, einige der Inhaftierten seien wegen der lauten Explosion in Ohnmacht gefallen. Der qatarische Sender Al Jazeera berichtete, in dem angegriffenen Teil des Lagers seien etwa 120 Migranten aus Sudan, Eritrea und Somalia interniert gewesen. Aus Regierungskreisen hieß es, insgesamt seien mehr als 600 Migranten in dem Lager untergebracht.

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Mindestens 40 Tote
Luftangriff auf Flüchtlingslager in Libyen

„Der Luftangriff entspricht einem Muster von nächtlichen Luftangriffen, die von LNA-Drohnen geführt werden, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten betrieben werden“, heißt es in dem Amnesty-Bericht. Die Organisation berichtete unter Berufung auf Satellitenbilder, es deute einiges daraufhin, dass Anti-Haftar-Truppen das Gelände als Militäranlage nutzten. Dort liege auch ein Waffenlager. Zwei Häftlinge des Internierungslagers sagten Amnesty, sie seien gezwungen worden, gegen ihren Willen Waffen zu laden und zu entladen sowie schwere Maschinengewehre zu reinigen.

Quelle: F.A.Z.
Christoph Ehrhardt  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christoph Ehrhardt
Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.
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