+++ Bagdad-Briefing +++

Terror an der Corniche

Von Markus Bickel, Beirut
28.06.2014
, 11:22
Kampf dem Terror: Libanesische Polizei vor dem Ramada-Hotel in Beirut
Drei Selbstmordanschläge in sechs Tagen: Der von Isis im Irak ausgelöste Terror hat den Libanon erreicht. Mit Razzien in den Hotels reicher Saudis versuchen die Behörden, des sunnitischen Terrors Herr zu werden.
ANZEIGE

Bis Beirut reichen die Schockwellen, die der Vormarsch der Terrorgruppe Isis nach Bagdad ausgelöst hat. Drei Wochen ist es nun her, dass die Dschihadisten in der nordirakischen Provinzhauptstadt Mossul ihre Blitzoffensive den Tigris und den Euphrat hinab begannen. Von den Erfolgen des Al-Qaida-Ablegers haben sich inzwischen auch sunnitische Gruppen weit entfernt vom Zweistromland anstacheln lassen: Im Libanon sprengten sich innerhalb von einer Woche drei Selbstmordattentäter in die Luft. Ein saudi-arabischer Staatsangehöriger gestand am Freitag, gemeinsam mit einem Landsmann den Anschlag auf ein Restaurant in der schiitischen Vorstadt von Beirut geplant zu haben – im Auftrag von Isis.

Kurz zuvor hatten libanesische Sicherheitskräfte bereits einen Franzosen verhaftet, der ebenfalls für den Islamischen Staat im Irak und (Groß-)Syrien Anschläge im Libanon geplant haben soll. Als Operationsgebiet für die Dschihadisten macht die Zedernrepublik Sinn: Isis erhebt Ansprüche auf einen Gottesstaat, der von den Ufern des Tigris bis in die historische Levante reichen soll. Auf Karten, die die Isis-Medienabteilung verbreitet, weht auch über dem Libanon die schwarze Fahne.

Mit einer Reihe von Razzien versucht der kleine Sicherheitsapparat des Landes nun fieberhaft, dem sunnitischen Terror Herr zu werden. In der vor allem bei Touristen aus den Golf-Staaten beliebten Ausgehgegend Westbeiruts sind mehrere Hotels durchsucht worden. Der Anschlag am Mittwoch, bei dem zehn Menschen verletzt und einer der beiden saudi-arabischen Täter getötet wurde, ereignete sich, als die Ermittler gerade gegen die beiden jungen Männer vorgehen wollte.

ANZEIGE

Wie im Irak, wo der bedrängte schiitische Machthaber Nuri al Maliki zur Mobilisierung gegen Isis aufgerufen hat, fordern auch die libanesischen Autoritäten besondere Anstrengungen, um dem Terror zu begegnen. Neue Stellen für 3000 Soldaten und tausend Polizisten sollten die Behörden schaffen, verlangt Parlamentspräsident Nabih Berri. Doch in den zerfallenden Staaten der arabischen Welt hat das wenig Aussicht auf Erfolg: Im Libanon ist die schiitische Parteimiliz Hizbullah die stärkste Kraft im Land. Und auch Berri ist nach Morddrohungen auf den Schutz bewaffneter Kräfte seiner Amal-Partei angewiesen, die sich nach Ende des Bürgerkriegs 1990 als Miliz offiziell aufgelöst hatte.

ANZEIGE

Seitdem kümmert sich Berri weitgehend um die politische Vertretung der Schiiten in den schwachen Institutionen des Landes, Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah ist fürs Militärische zuständig. Gegen die sunnitische Terrorgruppe Isis hat seine Schiitenmiliz allerdings bislang nur in Syrien gekämpft. Maliki hat er bereits seine Bereitschaft bekundet, ihm beiseite zu springen. „Mehr als fünf Mal so viele Märtyrer opfern“ wie in Syrien würde die Hizbullah, um schiitische Heiligtümer in dem Zweistromland zu schützen. Nach den Selbstmordanschlägen der vergangenen Woche sieht es jedoch so aus, als ob Nasrallah seine Kämpfer erst einmal im Libanon benötigt.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Automarkt
Pannenhilfe und Schutz seit 1899
Gasvergleich
Gas vergleichen und sparen
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Compliance Management
ANZEIGE