Biopolitik

EU: Moratorium bei Embryonenforschung

30.07.2002
, 13:19
Achtzelliger Embryo
Die EU will die Förderung der Embryonenforschung bis Ende 2003 aussetzen. Man sucht einheitliche ethische Standards.

Die Europäische Union will offenbar die Förderung der Forschung an Embryos bis zum 31. Dezember 2003 aussetzen. Ein entsprechendes Moratorium, das die dänische Ratspräsidentschaft vorgeschlagen hatte, stieß nach Angaben des Bundesforschungsministeriums auf einhellige Zustimmung der Mitgliedsstaaten.

Nach dem Beschluss würden aus dem insgesamt 17,5 Milliarden Euro umfassenden 6. EU-Forschungsrahmenprogramm keine Gelder mehr in das Programm für Bio- und Gentechnologie fließen. Bis 2006 sind in dem Programm 2,5 Milliarden Euro für die Lebenswissenschaften vorgesehen, in deren Rahmen unter anderem die umstrittene Forschung mit embryonalen Stammzellen betrieben wird.

Breite Unterstützung für dänischen Vorschlag

Ein Sprecher des Forschungsministeriums äußerte sich erfreut darüber, dass es Deutschland gelungen sei, seinen Bedenken gegen einen zu liberalen Umgang mit der Forschung an embryonalen Stammzellen Gehör zu verschaffen. Gemeinsam mit Dänemark, Finnland, Griechenland und Spanien hatte Deutschland dafür geworben, ethische Standards zu entwickeln, bevor das Forschungsprogramm endgültig beschlossen wird. Ein Gegner zu restriktiver Regelungen ist Großbritannien, das sich zwischenzeitlich sogar für die Förderung des therapeutischen Klonens eingesetzt hat.

Europäische ethische Standards entwickeln

Deutsche Wissenschaftler betrifft die Entscheidung insofern, als dass sie sich nach den Regeln des Embryonenschutzgesetzes und des Einfuhrgesetzes für embryonale Stammzellen auch dann nicht an solchen Forschungen beteiligen dürfen, wenn diese nicht mit nationalem Geld, sondern aus EU-Geldern gefördert oder in einem anderen Mitgliedstaat der EU betrieben werden. Nun bestehe die Möglichkeit, einheitliche ethische Standards für die ganze EU zu entwickeln, sagte der Sprecher.

Aus der Förderung ausgeschlossen werden nach Angaben des Ministeriums das Klonen und Herstellen menschlicher Embryos zu Forschungszwecken, die Herstellung embryonaler Stammzellen und erbgutverändernde Eingriffe in die menschliche Keimbahn. Mit dem Moratorium wird vorläufig auch das Paradox aufgehoben, dass auf dem Umweg über die EU mit deutschen Steuergeldern Forschungen finanziert würden, die in Deutschland selbst verboten sind.

Quelle: @kpm
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