Geheimdienste

BND will Cyber-Überwachung ausbauen

10.11.2014
, 09:01
Der Bundesnachrichtendienst will künftig auch verschlüsselte Internetverbindungen überwachen und dazu technisch erheblich aufrüsten. In den kommenden Jahren will der Geheimdienst einem Bericht zufolge dafür zusätzlich 300 Millionen Euro investieren.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) will nach einem Zeitungsbericht künftig auch durch Verschlüsselung geschützte Internetverbindungen überwachen und dazu technisch massiv aufrüsten. Für das kommende Jahr habe der Geheimdienst in der vergangenen Woche im Vertrauensgremium des Bundestages 28 Millionen Euro für die „Strategische Initiative Technik“ (SIT) beantragt, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Demnach geht es um Verbindungen, die durch die Verschlüsselungstechniken SSL und HTTPS geschützt sind. Das Gremium, das aus Mitgliedern des Haushaltsausschusses besteht, bewilligt und kontrolliert die Ausgaben des Dienstes, dessen Wirtschaftsplan geheim ist.

Bis zum Jahr 2020 sollen dem Bericht zufolge für SIT insgesamt 300 Millionen Euro bewilligt werden. Mit dem Programm wolle der BND unter anderem soziale Netzwerke im Ausland überwachen und ein Frühwarnsystem für Cyberangriffe einrichten. In diesem Jahr seien für die Vorbereitung bereits gut sechs Millionen Euro ausgegeben worden.

Die in vertraulichen Plänen zusammengefasste digitale Aufrüstung sei umfassend und kompliziert: Daten aus Vermittlungsanlagen - darunter fallen Knotenpunkte im Ausland - sollten besser erfasst werden. Im nächsten Jahr wolle sich der Dienst einen weiteren verdeckten Zugang zu einer Vermittlungsstelle im Ausland verschaffen. Das Programm unter dem Kürzel „Swop“ solle 4,5 Millionen Euro kosten.

Der Dienst wolle einerseits aus Sicherheitsgründen die Abhängigkeit von externen Dienstleistern verringern und mehr auf eigene IT-Fachleute setzen, heißt es in dem Bericht weiter. Andererseits wolle der BND mit Hilfe externer Spezialisten künftig die Transportverschlüsselung SSL entschlüsseln, die von vielen Shoppingportalen verwendet werden.

Seibert bestätigt: BND stärkt „technische Basis“

Die Bundesregierung hat unterdessen Medienberichte über die Zusammenarbeit deutscher Behörden mit der französischen Software-Sicherheitsfirma Vupen bestätigt. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Montag in Berlin, die Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit Vupen seien vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor allem für den Schutz der Regierungsnetze und nicht zur Weitergabe an Dritte erworben worden. Die Zusammenarbeit mit der französischen Firma sei inzwischen beendet worden.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Ziel der Bundesregierung sei es, die Abhängigkeit von ausländischen Dienstleistern im Bereich IT-Sicherheit weiter zu reduzieren. „Es trifft zu, dass der BND plant, seine vorhandene technische Basis zu stärken“, fügte Seibert hinzu. Das zentrale Element dieser Initiative sei der Aufbau eines Frühwarnsystems für Cyber-Angriffe.

Eine der Dienstleistungen der Firma Vupen ist es, Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden in Software entdeckte Sicherheitslücken zur Verfügung zu stellen. Der Zeitschrift „Spiegel“ zufolge will der BND Informationen über Software-Schwachstellen auf dem grauen Markt einkaufen.

Quelle: dpa/Reuters
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