Bundespräsident Wulff

König Amfortas

EIN KOMMENTAR Von Berthold Kohler
15.12.2011
, 17:45
Bundespräsident Wulff: „Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte“.
Bundespräsident Wulff bedauert, ein Parsifal gewesen zu sein. Einen Akt und ein Amt später blickt uns König Amfortas entgegen.
ANZEIGE

Bundespräsident Wulff hat sich entschieden, sein Schweigen zu brechen. Er bedauert, „dass ein falscher Eindruck entstehen konnte“. In der Sache selbst jedoch habe er nichts zu verbergen und auch nichts zu verbergen gehabt.

ANZEIGE

Warum aber hat er sie dann damals verborgen, wo er doch just zu diesem Punkt im Landtag zu Protokoll gab, dass er als Ministerpräsident „jeden auch noch so vagen Verdacht der Annahme eines Vorteils oder gar der Beeinflussbarkeit in seiner Amtsführung vermeiden muss“? Weil er ein reiner Tor, ein Parsifal der Politik, war, der sich partout nichts Böses vorstellen konnte?

Kann denn ein Kredit von Freunden Sünde sein? Was ist verwerflich an Urlaub bei Maschmeyers? Natürlich will man sich nicht vorstellen, was gewesen wäre, wenn Wulff damals, nachdem er schon einen Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz hatte zugeben müssen, bestätigt hätte, dass ihm zu jener Zeit nicht nur eine Fluglinie bei der Erfüllung seiner privaten Träume behilflich war. Jetzt aber will Wulff nicht länger ein Parsifal sein. Einen Akt und ein Amt später blickt uns König Amfortas entgegen.

Bundespräsident Wulff
„Hätte Kredit erwähnen sollen“
© reuters, reuters
Quelle: F.A.Z
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
Herausgeber.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE