„Lega Ost“

Rückt die AfD noch weiter nach rechts?

EIN KOMMENTAR Von Thomas Holl
28.09.2021
, 19:11
Sie werden in der AfD keine Freunde mehr: Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel nach der Bundestagswahl in Berlin.
Der auf Harmonie getrimmte Wahlkampf der AfD-Spitze hat die Risse übertüncht. Nach der Wahl ist der Machtkampf auch um den Kurs wieder entbrannt.

Einen filmreifen Abgang wie seine Vorgängerin Frauke Petry vor vier Jahren hat sich Jörg Meuthen erspart. Anders als die aus der Partei geflohene Petry führte der AfD-Vorsitzende lieber auf offener Berliner Bühne einen Tag nach der Bundestagswahl Szenen einer völlig zerrütteten Ehe mit gleich zwei Partnern zu seiner Rechten auf. Der vor der Wahl eingefrorene Machtkampf ist wieder in voller Härte entbrannt. Und das von Meuthens Intimfeinden Alice Weidel und Tino Chrupalla im Wahlkampf dargebotene Schmierentheater einer freundlich auftretenden Rechtsaußenpartei muss nicht weiter gespielt werden.

Das immer noch knapp zweistellige Wahlergebnis der AfD enthält zwei gegensätzliche Botschaften für den weiteren Kurs der Partei. Will sich die AfD im Blick auf ihren Triumph als stärkste Partei in Sachsen und Thüringen mit vielen direkt gewählten Bundestagsabgeordneten als „Lega Ost“ noch weiter nach rechts radikalisieren und so dauerhaft etablieren? Eine Strategie, die der Thüringer AfD-Anführer Höcke erfolgreich propagiert. Oder wird sie sich, wie von Meuthen gefordert, wieder verstärkt im bürgerlichen Gewand wie einst AfD-Gründer Lucke auf von der CDU enttäuschte Wähler im Westen konzentrieren? Denn dort hat sie gerade wegen ihrer von Weidel und Chrupalla mitgetragenen völkischen Ausrichtung und trotz der Anbiederung an die „Querdenker“-Szene herbe Verluste erlitten. Der Erfolg im Osten hat dies gesamtdeutsch nicht kompensieren können.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Holl, Thomas
Thomas Holl
Redakteur in der Politik.
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