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1961: Adenauer gegen „Kennedy“

Von Peter Sturm
11.09.2021
, 16:35
Mit Kennedy als Vorbild: SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt 1961 in Washington
19 Wahlen, 19 Geschichten. Heute: Mit Willy Brandt geht ein neuer Stern am SPD-Himmel auf. In der Bundestagswahl 1961 jagt er Adenauers CDU viele Wähler ab. Teil 4 unserer Wahlserie.
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Vier Jahre können in der Politik eine Ewigkeit sein. 1957 stand Bundeskanzler Konrad Adenauer auf dem Höhepunkt seines Ansehens. Gegen ihn ließ sich keine Wahl gewinnen. Entsprechend war auch das Ergebnis der Bundestagswahl dieses Jahres ausgefallen. Vier Jahre später war alles anders. Und dazu hatte der eigentlich mit allen politischen Wassern gewaschene Adenauer selbst eine Menge beigetragen. Erstens erlag er dem nicht nur in der Politik verbreiteten Irrtum, er sei (noch?) nicht zu ersetzen. In dem Bemühen, sich auf keinen Fall von der Spitze verdrängen zu lassen, beging er aber auch Fehler, die man einem politischen Anfänger vielleicht noch nachgesehen hätte, einem alten Fahrensmann wie ihm aber nicht.

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Dabei hatte er es in seinem Sinne eigentlich nur gut gemeint. Er wollte seinem fortgeschrittenen Alter durchaus Tribut zollen und brachte sich 1959 für das Amt des Bundespräsidenten ins Spiel. Dabei hatte er allerdings nicht ausreichend bedacht, dass das Grundgesetz dem Staatsoberhaupt mit Absicht hauptsächlich repräsentative Funktionen zugedacht hatte. Ein Bundespräsident Adenauer hätte nach dessen Geschmack freilich über reale Macht verfügt. Da dies weder mit der Verfassung vereinbar noch in der politischen Arena durchsetzbar war, musste Adenauer schließlich einen demütigenden Rückzug antreten und von nun an so tun, als habe er nie etwas anderes gewollt, als Bundeskanzler zu sein.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
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