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Zu wenig Überholabstand

Des Radfahrers Albtraum

Von Stefan Tomik
 - 10:07

Es ist der Albtraum vieler Radfahrer: von einem Auto angefahren zu werden, weil dessen Fahrer zu knapp überholt, seinen Wagen nicht unter Kontrolle hat, vielleicht gerade mit dem Handy hantiert. Mindestens 1,50 Meter Seitenabstand sind beim Überholen eines Radfahrers vorgeschrieben, in manchen Fällen sogar mehr. Doch in der Praxis wird es oft eng, zu eng. Wie oft, dazu fehlten bislang belastbare Daten. In einem aufwendigen Projekt hat die Redaktion des Berliner „Tagesspiegels“ in Zusammenarbeit mit Programmierern und Experten für künstliche Intelligenz nachgemessen. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor.

Sie basieren auf Messungen mit hundert eigens angefertigten Ultraschall-Messgeräten, die fest mit einem Fahrrad verbunden wurden. Aus 2500 Freiwilligen wählte die Redaktion hundert Radfahrer aus, um eine möglichst repräsentative Gruppe zusammenzustellen. Die Testteilnehmer waren zwischen 20 und 78 Jahren alt und kommen aus allen Berliner Bezirken. Sie besuchten einen Workshop, ließen an ihrem Rad eines der Geräte montieren und justieren. Von Ende August bis Anfang November sammelten sie täglich Messdaten im gesamten Berliner Stadtgebiet. Gemessen wurde immer der Abstand zwischen Lenkerende des Fahrrads und Außenspiegel des überholenden Kraftfahrzeugs.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Von 16.700 gemessenen Überholvorgängen wurde 9402 Mal mit weniger als 1,50 Meter Abstand überholt – das sind 56 Prozent. 3019 Mal (18 Prozent) wurde dabei sogar 1 Meter Abstand unterschritten, 192 Mal (1 Prozent) waren es keine 50 Zentimeter.

Radfahrer mit Kindern auf dem Rad wurden mit etwas mehr Abstand überholt, im Schnitt waren es jedoch nur 8 Zentimeter. Auf ältere Radfahrer nahmen die Autofahrer keine besondere Rücksicht. Dabei sieht die Rechtslage vor, dass sowohl Radfahrer mit Kindern auf dem Rad als auch ältere Verkehrsteilnehmer mit einem Mindestabstand von 2 Metern zu überholen sind.

Auf Nebenstraßen wird seltener, aber enger überholt als auf Hauptstraßen.

Je mehr Abstand die Radfahrer zu rechts von ihnen parkenden Autos hielten, desto weniger eng wurden sie überholt. Weitere Ergebnisse des Projekts „Radmesser“ gibt es hier.

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Knappe Sache
Nicht nur nach links schauen

In einer Umfrage unter 4961 Berliner Radlern ermittelte der „Tagesspiegel“ zudem, dass gut jeder fünfte Radfahrer viel Angst hat, wenn er im Sattel sitzt. Fast zwei Drittel haben immerhin noch „relativ viel Angst“, aber kaum jemand gab an, gar keine Angst zu empfinden. Diese „gefühlte Unsicherheit“ schreckt etliche Menschen davon ab, Rad zu fahren, obwohl das die Städte erheblich entlasten würde, weil es weder Lärm, Abgase, Stau noch Feinstaub verursacht. Nach dem Grund gefragt, warum sich Radfahrer unsicher fühlen, geben fast 91 Prozent an: zu enges Überholen von Autos. Fast ein Viertel aller Befragten gab an, in den vergangenen zwei Jahren einen Unfall gehabt zu haben.

Quelle: FAZ.NET
Stefan Tomik
Redakteur in der Politik.
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