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Frankfurter Zeitung 20.01.1919

Die Eröffnung der Pariser Friedenskonferenz

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Y Genf, 19. Jan. (Priv.-Tel.) Im Ministerium des Aueßeren in Paris ist gestern der Kongreß eröffnet worden, der die den Zentralmächten aufzuerlegenden Friedensbedingungen festsetzen soll. Die Zeremonien waren, wie es bei derartigen diplomatischen Versammlungen Brauch ist, im voraus geregelt. Frankreich, das den Kongreß beherbergt, hatte den Vorsitz, und Präsident Poincaré eröffnete ihn mit einer Rede, in der er das Programm der Beratungen kennzeichnete:

In erster Linie soll der Kongreß alle Schuld am Kriege auf Deutschland abwälzen und über dessen politische und militärische Führer zu Gericht sitzen. Dann soll der neue Frieden ausgearbeitet werden, wie ihn die Länder der Entente wünschen und gegen künftige Kriege unter den Schutz des Vereins der Völker gestellt werden, in dem Deutschland für einige Jahrzehnte die Rolle des reuigen Sünders vorbehalten ist. Nach der Ansprache Poincarés schlug Präsident Wilson im Namen der Versammlung vor, Clemenceau zum geschäftsführenden Vorsitzenden zu ernennen. Llyod George und Sonnino unterstützten den Vorschlag, der natürlich ohne Widerspruch angenommen wurde. Die drei Vertreter der Vereinigten Staaten, Englands und Italiens hatten sehr liebenswürdige Worte für die Person Clemenceaus, unterließen aber jedes Eingehen auf die fachliche Arbeit der Konferenz.

Clemenceau erkannte in einem kurzen Dankeswort an, daß nicht seine Person, sondern sein Amt als französischer Ministerpräsident ihm den Vorsitz zuweiße. Als ständiger Vorsitzender der Konferenz teilte er mit, daß die Vertreter der Großmächte der Entente übereingekommen seien, die Frage der strafrechtlichen Verantwortung des Kaisers Wilhelm II., sowie die Verantwortung für die im Kriege begangenen Verbrechen zu prüfen. Die Regierungen Frankreichs, Englands und Nordamerikas hätten bereits juristische Gutachten ausarbeiten lassen, die allen Teilnehmern der Konferenz zugestellt werden sollen. Die Teilnehmer würden außerdem Denkschriften erhalten über eine internationale Regelung des Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung. Sämtliche auf dem Kongreß vertretenen Regierungen seien eingeladen, falls sie es für nützlich halten, in schriftlichen Gutachten zu diesen Fragen sich zu äußern. Der Vorsitzende stellte sodann allen Vertretern anheim, besondere Denkschriften einzureichen über die ihre Länder besonders interessierenden Fragen territorialer, finanzieller oder wirtschaftlicher Natur.

Auf die Tagesordnung der nächsten Vollversammlung wird endlich ohne Widerspruch die Frage des Vereins der Völker gesetzt. Der Tag dieser Vollversammlung ist noch nicht bestimmt und hängt wohl von der vorherigen Einigung der Regierungen der Entente ab. In der Sitzung waren vertreten: die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan mit je fünf Vertretern. Belgien, Brasilien und Serbien mit je drei Vertretern. China, Griechenland, Hedschas, Polen, Portugal, Rumänien, Siam und die tschechisch-slowakische Republik mit je zwei Vertretern, Bolivia, Kuba, Ecuador, Peru und Honduras mit je einem Vertreter. Die Vertreter von Guatemala, Haiti, Liberia, Nicaragua und Panama waren noch nicht eingetroffen. Die englischen Kolonien waren vertreten. Die Verhandlungen wurden durch französische und englische Stenographen aufgenommen. Die Vertreter der Presse durften der Eröffnungssitzung in einer Seitengalerie beiwohnen, wo sie zwar alles hören, aber nichts sehen konnten.

Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 26. Januar 2019.

Quelle: angr.
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