FAZ plus ArtikelMissbrauch in der DDR

Die Doppelt-Eingeschlossenen

Von Christine Bergmann und Kathrin Power
29.08.2021
, 15:04
In der DDR war sexueller Kindesmissbrauch stärker und länger tabuisiert als in der alten Bundesrepublik. Das Schweigen wirkt bis heute nach. Ein Gastbeitrag.
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Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR. Dabei war das Thema in der DDR weit mehr und länger tabuisiert als in der alten Bundesrepublik. Das Schweigen wirkte lange nach. Bis heute sagen Betroffene, dass sie nicht über ihren Heimaufenthalt in der DDR sprechen können und schon gar nicht über die erlittene sexualisierte Gewalt. Exemplarisch für das Leid, das Kindern und Jugendlichen zugefügt wurde, ist der Jugendwerkhof Torgau. Die „Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau“ leistet hier wichtige Aufklärungsarbeit und unterstützt mit der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ Betroffene bei der Verarbeitung traumatischer Heimerfahrungen.

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Beim Öffentlichen Hearing der Kommission im Herbst 2017 in Leipzig sprachen Betroffene erstmals öffentlich über ihre Missbrauchserfahrungen in der DDR. Ihre Geschichten machten anderen Mut, ebenfalls das Schweigen zu brechen. Mit dem Wissen darüber, dass „es ihn gab, diesen sexuellen Kindesmissbrauch in der DDR, wird Betroffenen wie mir ein Stück ihrer Würde zurückgegeben“, schrieb ein Betroffener an die Kommission nach dem Hearing.

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