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FAZ plus ArtikelPolitik und Fakten

Was ist Wahrheit?

Von Professor Dr. Uwe Volkmann
Aktualisiert am 17.01.2020
 - 18:11
Mehr als 500 Falschbehauptungen konnten ihm im Wahlkampf nachgewiesen werden, ohne dass es ihm groß geschadet hätte: Präsident Donald Trump
Wir leben im „postfaktischen Zeitalter“. Je weniger es eine Vorstellung davon gibt, was richtig ist, desto erbitterter wird darüber gestritten. Über den schwierigen Umgang mit Wahrheitsansprüchen in der Demokratie.

Lange hat man auch hierzulande die Frage verdrängt, ob es in der Politik und speziell in der Demokratie um Mehrheit oder um Wahrheit, um größtmögliche Beteiligung oder die Richtigkeit von Entscheidungen geht und in welchem Verhältnis beides zueinander steht. Die Frage stand aber auch zur Beantwortung nicht an, solange es einigermaßen lief und man sich pragmatisch um das kümmern konnte, was gerade so anfiel. Ob man die Grundrente mit einer Einkommens- oder einer weitergehenden Bedürftigkeitsprüfung einführen soll, ob man die Kinder in der Schule an die digitalen Medien heranführt oder ihnen wieder wie früher das Lesen beibringt, ob man die Allgemeinen Ortskrankenkassen stärker für den Wettbewerb öffnet und wie man überhaupt die Beitragsgelder zwischen den Krankenkassen verteilt: Das sind alles Probleme, über die man berechtigterweise streiten kann, aber keines von ihnen wirft die Wahrheitsfrage im engeren Sinne auf oder wird überhaupt mit einem Konzept wie Wahrheit in Verbindung gebracht.

Mit dem Rechtsextremismus und, in abgemilderter Gestalt, dem Rechtspopulismus kehrt die Frage nun zurück, weil er hergebrachte Wahrheiten nicht mehr akzeptieren will, die Gesellschaft mit einer Gegenwahrheit konfrontiert, jedenfalls mit einer anderen Wahrheit oder anderen Wahrheiten, als sie bisher galten. Von der anderen Seite her haben der Klimawandel und die Notwendigkeit seiner Bewältigung die Frage aufgeworfen, ob es so unabweisbar richtige Entscheidungen gibt, dass es am Ende egal ist, von wem und wie sie getroffen werden, ob demokratisch oder undemokratisch, Hauptsache sie werden getroffen. Im „How dare you?!“ („Wie könnt ihr es wagen?!“) der einschlägigen Aktivisten ist diese Haltung sichtbar, das ja weniger eine Frage als eine Anklage ist. Und haben sie nicht recht mit ihr?

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Quelle: F.A.Z.
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