FAZ plus ArtikelVor Wahlen in Ostdeutschland

Warum wir das „Labor Sachsen“ im Blick haben sollten

Von Simone Lässig
19.08.2019
, 16:12
Für ein geeintes Deutschland: Demonstranten bei der Montagsdemonstration am 12. März 1990 in Leipzig
Die Erfahrung mit tiefgreifenden Brüchen und Strukturwandel ist eine Ressource, die immer wichtiger wird. Die Sachsen mit ihren gebrochenen Biographien haben – wie andere Ostdeutsche auch – an dem Punkt mehr einzubringen als nur eine für viele beunruhigende Parteienlandschaft.

Von sächsischen Territorien sind historische Impulse von großer Reichweite ausgegangen. Reformation oder friedliche Revolution – das sind positiv konnotierte Stichworte, die man weithin mit „Sachsen“ verbindet. So manchem dürfte auch die Sozialdemokratie in den Sinn kommen: Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das früh industrialisierte Land zur Keimzelle der modernen Arbeiterbewegung schlechthin. Seit 1903 sprach man gar vom „Roten Königreich“. Die SPD hatte 22 der 23 sächsischen Reichstagswahlkreise erobert.

Ein Königreich war Sachsen 1918 nicht mehr, „rot“ aber blieb es noch einige Zeit. Im Herbst 1923 bildeten sich in Thüringen und Sachsen sogar sozialdemokratische Kabinette, die mit der KPD regierten. Ein Novum in der deutschen Geschichte. Hier, wie so oft davor und danach, erschien Sachsen wie ein Labor für neue politische Konstellationen.

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