FAZ plus ArtikelSexuelle Gewalt

Anerkennung durch Geist und Geld

Von Martin Lengwiler
22.08.2021
, 19:08
Die Geschichte von Missbräuchen in der Schweizer Heimerziehung gleicht in vieler Hinsicht jener der Bundesrepublik. Für die Aufarbeitung hat das Land aber einen anderen Weg eingeschlagen. Und damit lehrreiche Erfahrungen gemacht. Ein Gastbeitrag.
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Der Ort war passend gewählt. Im September 2010 hielt Eveline Widmer-Schlumpf, Mitglied der schweizerischen Bundesregierung, in der Berner Strafanstalt Hindelbank eine Rede. Hindelbank hatte eine lange Geschichte als geschlossene Anstalt, in die strafrechtlich verurteilte sowie administrativ versorgte Frauen eingewiesen worden waren. Administrative „Versorgungen“ wurden bis 1981 ohne Gerichtsurteil verfügt und damit ohne Möglichkeit, die Entscheidung gerichtlich anzufechten. Sie erfolgten häufig wegen moralischer Vorbehalte oder stigmatisierter Verhaltensweisen.

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Mit ihrer Rede, gehalten vor einer Gruppe von Opfern, distanzierte sich zum ersten Mal ein Mitglied der Regierung von den zurückliegenden Missständen im Heim- und Anstaltswesen. „Im Bewusstsein, dass Vergangenes nicht ungeschehen gemacht werden kann, möchte ich Sie im Namen des Bundes in aller Form um Entschuldigung dafür bitten, dass Sie ohne Gerichtsurteil zur Erziehung administrativ versorgt wurden“, sagte Widmer-Schlumpf.

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