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FAZ plus ArtikelReligion und Gewalt

Wir werden dran glauben müssen

Von Professor Dr. Wolfgang Reinhard
Aktualisiert am 28.11.2019
 - 06:29
Das Läuten von Kirchenglocken: in Oberbayern selbstverständlich, in Mecklenburg keineswegs
Weltreligionen sind ursprünglich nicht dazu da, dass sie Frieden stiften. Religiös geprägte Gewalt wird auch künftig in keinem Fall auszuschließen sein. Ein Gastbeitrag.

Wir möchten nur zu gerne glauben, dass Religion im Allgemeinen und ganz besonders die christliche Religion dem Wesen nach eine friedliche Angelegenheit und religiöse Gewalt deshalb nur durch abartige, fremde Einflüsse zu erklären sei. Jesus Christus als Kronzeuge! Wir bekommen aber auch zu hören, dass vor allem die monotheistischen Religionen wegen ihrer grundsätzlichen Unduldsamkeit sogar ausgesprochen anfällig für Gewalt seien. Der monotheistische Gott ist nämlich tatsächlich ein eifersüchtiger Gott, der keine Konkurrenten neben sich duldet und seine Anhänger ausdrücklich zur ausschließlichen Rechtgläubigkeit verpflichtet. Polytheistische Religionen hingegen kennen stärkere und schwächere Götter, aber keine Exklusivität, sondern eine Art von Wettbewerb zwischen den Gottheiten und ihren Anhängern. Die Letzteren können ihre religiöse Observanz oft genug fast nach Belieben wechseln; eine stabile Anhängerschaft mit festgeschriebenem Glaubensbekenntnis wie die islamische Umma oder gar die organisierte christliche Kirche ist ihnen wesensfremd.

Allerdings berichten Geschichte und Gegenwart eben nicht nur von christlicher oder muslimischer Gewalttätigkeit. Dass der Buddhismus von Haus aus sogar ein Heilsweg ohne Gott war, stand und steht buddhistischer Gewalt nie im Wege. Und die überwältigende religiöse Vielfalt Indiens, die von dem westlichen Kunstbegriff Hinduismus nur unzulänglich erfasst wird, war nie gewaltfrei. In Gestalt von Mahatma Gandhi hat Indien zwar den Apostel der Gewaltlosigkeit schlechthin hervorgebracht, aber heute dominieren dort gewalttätige religiöse Bewegungen. Gandhi wurde von einem Hindu ermordet und offensichtlich von der Geschichte überholt.

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Der Verfasser ist Professor emeritus für Neuere Geschichte an der Universität Freiburg i. Br. und korrespondierendes Mitglied der British Academy.

Quelle: F.A.Z.
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