Ehrung

Friedensnobelpreis geht an Jimmy Carter

11.10.2002
, 12:53
Politisches Signal: Carter erhält Friedensnobelpreis
Den Friedensnobelpreis erhält in diesem Jahr der frühere amerikanische Präsident Jimmy Carter.
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Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den früheren amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter (78). Das norwegische Nobelkomitee begründete am Freitag in Oslo die Vergabe an Carter auch als Kritik an der derzeitigen Politik des amtierenden Präsidenten George W. Bush im Irak-Konflikt. Der Komitee- Vorsitzende Gunnar Berge sagte nach der Bekanntgabe der Entscheidung für Carter: „Ja, mit Blick auf Carters Position in dieser Frage kann und muss man unsere Entscheidung natürlich auch als Kritik an der Linie der amtierenden amtierenden Regierung im Verhältnis zum Irak verstehen.“ Carter erklärte in einer ersten Reaktion: „Ich bin sehr dankbar.“

Carter erhalte den Preis „für seinen beharrlichen Einsatz zur friedlichen Lösung internationaler Konflikte, für Demokratie und Menschenrechte sowie für wirtschaftliche und soziale Entwicklung über mehrere Jahrzehnte“, hieß es in der Begründung des Komitees. In seiner Amtszeit als Präsident (1977-1981) habe er als Mittler in entscheidender Weise zum Vertrag von Camp David (1978) zwischen Israel und Ägypten beigetragen und sich schon damit allein als eines Friedensnobelpreises würdig erwiesen.

Ehrung mit Verspätung

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Komiteechef Berge erklärte, das Votum für den seit gut 20 Jahren jedes Jahr aufs Neue als Nobelpreis-Anwärter genannten Carter sei „natürlich auch ein bisschen eine Entschuldigung“, dass der frühere US-Präsident nicht schon für das Abkommen von Camp David ausgezeichnet worden war. Den Preis dafür hatten sich 1978 der damalige ägyptische Präsident Anwar El Sadat und der israelische Premierminister Menachem Begin geteilt. „Carter war damals ganz einfach nicht nominiert, deshalb konnte er nicht mit Sadat und Begin zusammen ausgezeichnet werden,“ erklärte Berge.

Zu Carters Engagement nach seiner gescheiterten Kandidatur für eine zweite Amtszeit als Präsident meinte das Komitee, Carter habe „eine äußerst umfassende und dauerhafte Arbeit als Friedensvermittler auf mehreren Kontinenten“ geleistet.

In der aktuellen amerikanischen Diskussion zu einem möglichen Militärschlag gegen den Irak nimmt Carter eine ablehnende Haltung gegen die Politik der Bush-Regierung ein. Dazu meinten die fünf norwegischen Juroren: „In der heutigen, von drohender Machtanwendung geprägten Lage hat Carter auf dem Prinzip beharrt, dass Konflikte in größtmöglichem Umfang durch Vermittlung und internationaler Zusammenarbeit auf der Basis des Völkerrechts, Respekt vor den Menschenrechten und wirtschaftlicher Entwicklung gelöst werden müssen.“

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Carter: Ermutigung für die Zukunft

Carter sagte in Atlanta in einer ersten Reaktion: „Es besteht kein Zweifel, dass dieser Preis eine Ermutigung für die Zukunft ist. Ich bin sehr dankbar.“ Die Auszeichnung gelte vor allem dem Carter Center, in dem viele Menschen aktiv seien. In Berlin begrüßte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Entscheidung für Carter, der sich dafür durch seine internationalen Vermittlungsbemühungen verdient gemacht habe. Auch Norwegens Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik bezeichnete die Vergabe an Carter als „sehr gut und hochverdient“.

Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Im vergangenen Jahr hatten die Vereinten Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan die Auszeichnung erhalten. Carter ist der erste US-Politiker, dem der Friedensnobelpreis zuerkannt wird seit der frühere Außenminister Henry Kissinger den Preis 1973 erhielt. Kissinger wurde für seine Bemühungen um die Beendigung des Vietnam- Kriegs ausgezeichnet. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt, der für seine Politik zur Aussöhnung mit den osteuropäischen Nachbarn der Bundesrepublik geehrt wurde.

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Quelle: AP
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