<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Internationale Geberkonferenz

Die EU zahlt am meisten für Tschernobyl

 - 19:20
Der zerstörte Unglücksreaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben internationale Spender, allen voran die Europäische Union und die Vereinigten Staaten, am Dienstag ihre Finanzierungszusagen zur vorläufigen Sicherung des 1986 explodierten Atomreaktors in Tschernobyl auf insgesamt 1,56 Milliarden Euro erhöht. Das Gesamtprojekt soll nach gegenwärtiger Schätzung allerdings 1,75 Milliarden Euro kosten.

Auf der Geberkonferenz gelang es, die bisherige Finanzierungslücke von insgesamt 740 Millionen Euro zum großen Teil zu schließen und zusätzlich zu bisherigen Zusagen 550 Millionen Euro einzuwerben. Damit fehlen zwar zur geschätzten Gesamtsumme noch 190 Millionen Euro, aber in Kiew galt als ausgemacht, dass das Geld bis 2015, dem Jahr, an dem die Sicherungsarbeiten abgeschlossen werden sollen, noch aufgebracht werden kann.

Einschließlich der nun zugesagten Summen ist die EU damit der größte Spender für Tschernobyl. Ihr folgen die Vereinigten Staaten und die Europäische Wiederaufbaubank EBRD, welche die Finanzierung des Projekts koordiniert, aber auch einen substantiellen Eigenbeitrag leistet. Danach kommen Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Auch Russland, der größte Nachfolgestaat der Sowjetunion, welche das Unglückskraftwerk seinerzeit gebaut hatte, ist nun zum ersten Mal zu einem nennenswerten Beitrag bereit und hat 45 Millionen Euro zugesagt.

Die internationale Gemeinschaft finanziert die vorläufige Sicherung der Reaktorruine in Tschernobyl aufgrund einer Abmachung mit der Ukraine aus den neunziger Jahren. Damals sagte die Ukraine zu, im Kraftwerk Tschernobyl die Reaktoren eins bis drei abzuschalten, die nach der Explosion in Block vier weiter in Betrieb geblieben waren, aber als unsicher galten. Tschernobyl wurde dementsprechend im Jahr 2000 vom Netz genommen. Das Kraftwerk beschäftigt indes bis heute 3400 Menschen, weil der Kernbrennstoff der intakten Reaktoren zum Teil noch nicht ausgelagert ist.

Die Ruine soll unter einer Stahlhülle verschwinden

Deshalb müssen die Abklingbecken, Kühlsysteme, Fuhrparks, Küchen und Dekontaminationsanlagen in Betrieb bleiben, bis ein Lager für den Brennstoff gebaut ist. Die internationale Finanzierung ist vor allem für zwei Großprojekte vorgesehen: Eine mehr als hundert Meter hohe stählerne Gewölbehalle, unter der die Ruine des havarierten Reaktors für mindestens 100 Jahre verschwinden soll, und ein Zwischenlager für die strahlenden Brennelemente, die noch auf dem Kraftwerksgelände lagern. In der geplanten Halle hofft man dann, die kontaminierte Explosionsruine, die bis heute die hoch radioaktive Lava der Kernschmelze von 1986 enthält und als baulich unsicher gilt, eines Tages zerlegen und zur Lagerung vorbereiten zu können.

Die Technologie dafür existiert allerdings noch nicht, und die Arbeiten sind noch nicht einmal in Planung. In das Zwischenlager, das nun gleich neben dem Kraftwerk gebaut werden soll, sollen die vielen tausend gebrauchten oder neuen Brennelemente kommen, die gegenwärtig noch in Tschernobyl lagern. Sie sollen hier bleiben, bis eine Möglichkeit zur Endlagerung gefunden wird, was indes im Augenblick noch nicht einmal ansatzweise erkennbar ist. Reaktor vier des Atomkraftwerks Tschernobyl war am 26. April 1986 explodiert. Ein mehrtägiger Brand wirbelte eine Wolke aus radioaktivem Staub hoch, der sich über weite Teile Osteuropas, in geringerem Maße aber auch in Deutschland und anderen Ländern ablagerte. Die Wissenschaft streitet bis heute über die Opferzahl.

Die internationale Atomenergiebehörde IAEO und die Weltgesundheitsorganisation WHO haben geschätzt, insgesamt würden infolge des Unglücks etwa 4000 zusätzliche tödliche Erkrankungen auftreten. Die Umweltorganisation Greenpeace hat von 93.000 Toten gesprochen, andere Fachleute von mehreren hunderttausend. Genaue Angaben gelten als schwierig, weil Krebserkrankungen viele Jahre nach dem Unglück meist nicht eindeutig auf eine konkrete Ursache zurückzuführen sind.

Quelle: F.A.Z./ul.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenTschernobylEuropäische UnionKiewUSADeutschlandAtomreaktorFrankreichGroßbritannien

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.