FAZ plus ArtikelZukunft nach Corona

Was wird jetzt aus Europa?

Von Christian Sewing
Aktualisiert am 05.09.2020
 - 08:27
Quo vadis, Europa?
Die Pandemie ist eine Zäsur mit tiefgreifenden Folgen für die globale Wirtschaft. Für Europa liegt darin die Chance für einen Neuanfang – sofern die Union sich zwei Problemfeldern stellt. Ein Gastbeitrag.

Wissenschaftler haben immer wieder vor einer Pandemie gewarnt. Und doch hat Covid-19 fast alle unvorbereitet getroffen. Binnen weniger Wochen sah unser Leben ganz anders aus als vorher – auch die Arbeitswelt. Dabei staune ich bis heute darüber, wie schnell wir uns an die neue Realität gewöhnt haben. Im März spielte die Bundesliga noch vor Publikum, das Berliner Konzerthaus, in dem wir hundertfünfzigjähriges Jubiläum feiern wollten, öffnete Abend für Abend und in meinem Kalender standen viele Reisen. Dann, fast von einem Tag auf den anderen, gerieten wir in eine neue Realität: Videokonferenzen statt Besuche, Bürotage in Frankfurt statt Nächte im Flieger. Es war der radikale Abschied von vielem, was bis dahin planbar schien. Wenn es alle trifft, ist auf einmal normal, was zuvor undenkbar schien.

Und gleichzeitig erinnerte ich mich an die Finanzkrise 2008. In solchen Momenten geht man zurück, versucht Parallelen zu finden, auch Unterschiede. Waren die Banken 2007 und 2008 Auslöser der Krise, können sie nun Teil der Lösung werden. Weil wir mittendrin sind, das Herz-Kreislauf-System der Wirtschaft. Uns war schnell klar: Der Dialog zwischen Politik und Wirtschaft würde wichtig sein. Deshalb haben wir Unterstützung angeboten, und sie wurde angenommen. Dabei wussten Politiker und Notenbanker genau, was drohte, wenn sie nicht schnell handeln würden. Fast alle Regierungen und Notenbanken haben das Richtige getan, indem sie dem System Sauerstoff, sprich Geld, zugeführt haben. Entschlossen und schnell. Das verdient Respekt. Deutschland war hier sicher ein Paradebeispiel.

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Goethe-Vigoni-Discorsi

Die Frankfurter Goethe-Universität konnte in diesem Jahr ihren traditionellen „Europasommer“ nicht ausrichten. Er sollte 2020 den Beziehungen Frankfurts zu seiner Partnerstadt Mailand und den Beziehungen Hessens zu seiner Partnerregion Emilia-Romagna gelten. Die Corona-Pandemie hat nicht nur die entsprechenden Veranstaltungen verhindert, sondern die deutsch-italienischen Beziehungen selbst auf eine besondere Bewährungs-, ja Belastungsprobe gestellt.

So kam der Gedanke auf, ersatzweise Angehörige unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen und gesellschaftlicher Felder zu bitten, in Essays überschaubarer Länge ihren Blick auf die Welt mit Corona festzuhalten. Zusammen mit der Hessischen Staatskanzlei, dem italienischen Generalkonsulat und der Villa Vigoni, dem Deutsch-Italienischen Zentrum für den Europäischen Dialog, soll so ein Gedankenaustausch organisiert werden – bevor im Sommer 2021 hoffentlich wieder deutsch-italienische Begegnungen auf dem Campus der Goethe-Universität möglich sein werden und das Fest nachgeholt wird.

Quelle: F.A.Z.
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