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Gaspipeline Nabucco

Projekt Joschka

Von Nikolas Busse, Brüssel
 - 11:23

In Brüssel durfte die Presse am Dienstag Chronist der jüngsten Metamorphose des Joseph Fischer sein. Der frühere Sponti, frühere Straßenkämpfer, frühere Umweltminister, frühere Fraktionsvorsitzende und frühere Außenminister präsentierte sich auf einer Pressekonferenz als frischgebackener „Berater in der politischen Kommunikation“ der Energiekonzerne RWE und OMV für den Bau der Gaspipeline Nabucco, die bald Gas aus dem kaspischen Raum und dem Nahen Osten nach Europa bringen soll.

Mit solider Sachkenntnis und in flüssigem Englisch trug Fischer seine Sache vor – so, als sei er schon immer der Kollege jener Herren gewesen, die aus der Essener RWE-Zentrale angereist waren, um mit technischen Details oder der Unternehmenslinie auszuhelfen, wenn es nötig wurde.

„Ich glaube an dieses Projekt“

Dass ein begabter Mann, der sein ganzes politisches Leben gegen die Atomkraft gekämpft hat, im Herbst seiner Karriere Unterschlupf bei einem Konzern findet, der Kernkraftwerke betreibt, sah Fischer nicht als sonderlich problematisch an. Er arbeite nicht für die Atomabteilung von RWE, sondern für Nabucco, ließ er wissen. Im Übrigen sei er nur noch ein ganz einfaches Parteimitglied der Grünen; die Regierung habe er schon vor vier Jahren, den Bundestag vor dreien verlassen. „Ich glaube an dieses Projekt“, beteuerte er, und das muss bei der Projekterfahrung Fischers wohl als Ausdruck höchster Einsatzbereitschaft verstanden werden.

Fischers neue Tätigkeit besteht aus Reden und Reisen. Er soll für seine Arbeitgeber Türen in den vielen Ländern öffnen, deren Mitwirkung erforderlich ist, damit die Pipeline gebaut und gefüllt werden kann, die einmal fünf bis zehn Prozent des europäischen Gasbedarfs decken soll. In Berlin, Brüssel, Washington, Ankara, Baku, Aschgabad und anderswo wird man ihn demnächst antichambrieren sehen – Präsidenten, Außenminister und Energieminister seien seine Gesprächspartner. „Das ist mehr oder weniger das, was ich vorher gemacht habe, nur jetzt eben für ein Unternehmen“, sagte er. Vielleicht sei es besser bezahlt? „Vielleicht.“

„Ich bin ja hier noch Anfänger“

Die Geschäftstüchtigkeit des rot-grünen Personals bringt es mit sich, dass Fischer so indirekt zu einem Gegenspieler seines früheren Chefs wird. Der russische Gasmonopolist Gasprom, für den Gerhard Schröder arbeitet, versucht Nabucco zu vereiteln, wo und wie es nur geht. Denn die Pipeline, die von der EU gefördert wird, soll Europa unabhängiger von russischem Gas machen. Nein, mit Schröder habe er über diese Sache bisher nicht gesprochen, sagte Fischer; nach Moskau werde er auch nicht fahren. Da die Russen da offenkundig ein geopolitisches Spiel gegen die EU betreiben, betont Fischer, wie wichtig es sei, dass die EU ihren Gasbezug über Nabucco diversifiziere.

Ob das alles für einen politischen Kopf nicht doch ein wenig langweilig sei? „Ich bin ja hier noch Anfänger“, erwiderte Fischer und wies gleich noch auf die ruhestandsfreundlichen Arbeitszeiten hin. Berater zu sein sei ja nicht so anstrengend, das sei ja keine Vollzeitstelle. „Man zahlt einen hohen Preis für ein Leben auf der Titelseite.“

Quelle: F.A.Z.
Nikolas Busse
Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).
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