Kampf gegen die Schleuser

Geisterschiffe

EIN KOMMENTAR Von Klaus-Dieter Frankenberger
02.01.2015
, 16:22
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Der Kampf gegen das Schleuserunwesen und den Menschenschmuggel ist nicht nur ein Problem Italiens. Wer den großen Flüchtlingsstrom wenigstens eindämmen will, der muss an der Quelle beginnen.
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Es ist ein „neuer Trend“ und zeigt nach Auffassung der EU-Grenzschutzagentur Frontex einen neuen Grad der Grausamkeit der Schleuserbanden: Hunderte von Flüchtlingen, die auf überladenen und von der Besatzung verlassenen Seelenverkäufern, deren Steuerung blockiert ist, ihrem Schicksal überlassen werden. Nur dem Einsatz italienischer Rettungskräfte ist es zu verdanken, dass eine Katastrophe bislang verhindert werden konnte.

Aber das Geschäft mit den Flüchtlingen, die zumeist aus Syrien, dem Irak und aus Ostafrika stammen, ist derart lukrativ, dass die Schlepper und Menschenhändler immer dreister werden. Dass sie wie im Fall der in Brand geratenen Fähre „Norman Adriatic“ offenbar Komplizen in den Häfen haben, macht die Sache noch schlimmer. Für die Flüchtlinge wird die teuer bezahlte Passage nach Europa, mit der sie dem Leid in der Heimat zu entkommen hoffen, zu einer Reise, die den Tod bedeuten kann. Und die für die Menschenschmuggler keinerlei Risiko birgt.

Natürlich wird jetzt wieder eine bessere und wirksamere europäische Zusammenarbeit in der Flüchtlingspolitik gefordert; zu Recht. Aber das wird den Schleuserbanden nicht das Handwerk legen können. Man wird auch feststellen müssen: Solange in der Nachbarschaft Europas Kriege toben und religiöse und ethnische Minderheiten verfolgt werden, wird der Menschenschmuggel Konjunktur haben. Und dann ist da ja noch die „normale“ Armutswanderung derer, für die angesichts des sozialen und wirtschaftlichen Elends zuhause Europa das sprichwörtliche gelobte Land darstellt. Es ist so attraktiv, dass Tausende und Abertausende sich den skrupellosen Schleppern anvertrauen und sich auch nicht von Nachrichten über das grausige Geschehen auf hoher See abschrecken lassen.

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Die Schleuser schreckt sowieso nichts ab. Dafür sind die Mittel, über welche die europäische Grenzschutzagentur verfügt, zu gering. Dafür sind aber auch die Ziele und die Interessen, welche die einzelnen europäischen Länder verfolgen, nicht einheitlich genug. Seit Italien seine Operation „Mare Nostrum“ eingestellt hat, hat die Dreistigkeit der Schmuggler noch zugenommen. Aber der Kampf gegen das Schleuserunwesen ist nicht nur ein Problem Italiens. Es klingt, zugegeben, etwas hilflos, aber wer den großen Flüchtlingsstrom wenigstens eindämmen will, der muss an der Quelle beginnen.

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Quelle: F.A.Z.
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