F.A.S. exklusiv

Exportwirtschaft stützt Brexit-Kurs der EU

Von Thomas Gutschker
21.10.2017
, 17:34
Der Außenhandelsverband lehnt Sonderabsprachen Berlins mit London ab. Das würde nur zu „Rosinenpickerei“ führen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Die deutsche Exportwirtschaft unterstützt den konsequenten Kurs der Europäischen Union in den Austrittsverhandlungen mit dem Vereinigten Königreich. London müsse seine finanziellen Verpflichtungen anerkennen, bevor über die künftigen Beziehungen geredet werden könne, sagte der Leiter der Außenwirtschaftsabteilung des Bundesverbands Außenhandel, Großhandel, Dienstleistungen (BGA), Gregor Wolf, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Die Unternehmen verstünden die politische Tragweite der Verhandlungen und ließen sich nicht von kurzfristigen Interessen leiten.

Sie sind auch bereit, den Preis einer Scheiterns zu zahlen. „Ein chaotischer Brexit würde unsere Mitglieder hart treffen. Es würde sie aber noch härter treffen, wenn der europäische Binnenmarkt geschwächt wird“, sagte Wolf weiter. „Deshalb lehnen wir Sonderabsprachen Deutschlands mit Großbritannien ab. Das würde nur zu einer Rosinenpickerei führen und damit zum Zerfall der Union und des gemeinsamen Marktes.“

Ähnlich hatte sich Anfang des Monats schon der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) positioniert. „Die deutsche Industrie steht ohne Wenn und Aber hinter der Verhandlungsstrategie der EU“, sagte seinerzeit BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Die deutsche Industrie strebe zwar ein sehr enges künftiges Verhältnis zu Großbritannien an. „Nur muss klar sein: Wir räumen der Weiterentwicklung der EU den Vorrang ein.“ Beim BDI wird bekräftigt, dass man an diesen Aussagen auch nach dem jüngsten EU-Gipfel festhalte. Die Staats- und Regierungschefs hatten am Freitag keinen „ausreichenden Fortschritt“ in den Verhandlungen feststellen können.

In EU-Verhandlungskreisen heißt es, London setze immer noch darauf, dass ihm Berlin in den Verhandlungen zur Seite springe. Die britische Regierung unterschätze die Bedeutung, die Deutschland der Integrität des EU-Binnenmarktes zumesse. Auch andere Staaten, die London traditionell eng verbunden waren, wie Dänemark, Schweden und die Niederlande, teilten die deutsche Haltung. „Der Brexit ist mental schon vollzogen“, sagte ein Unterhändler der F.A.S.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Gutschker, Thomas
Thomas Gutschker
Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.
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