Flüchtlingslager

Athen lehnt Räumung Idomenis ab

10.03.2016
, 11:18
Zukunft ungewiss: Ein Flüchtling bewegt sich durch den Schlamm vor seiner Unterkunft in Indomeni.
Anhaltender Regen hat das Aufnahmelager in Idomeni in eine Schlammwüste verwandelt. Hunderte Menschen, unter ihnen auch viele Kinder, leiden unter schweren Erkältungen, Atemwegsbeschwerden und Durchfall.
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Was soll mit den Flüchtlingen geschehen, die seit Tagen vergebens im Flüchtlingslager Idomeni auf eine Öffnung der mazedonischen Grenze hoffen? Die Regierung in Athen lehnt eine Zwangsräumung des Flüchtlingslagers am griechisch-mazedonischen Grenzübergang ab. „Es darf einerseits kein (ständiges) Lager in Idomeni geben. Andererseits darf es keine Evakuierung unter Einsatz der Bereitschaftspolizei geben“, sagte der für die Küstenwache zuständige Minister, Thodoris Dritsas, am Donnerstag in Athen. Zu Wochenbeginn hatte der stellvertretende griechische Verteidigungsminister Dimitris Vitsas angedeutet, das Lager könnte wegen der unhaltbaren Zustände evakuiert werden.

Das Aufnahmelager in Idomeni versinkt derzeit im Wasser und Schlamm, Krankheiten grassieren inzwischen unter den Flüchtlingen. Nach zweitägigen schweren Regenfällen haben mehr als 250 Migranten das Lager an der griechisch-mazedonischen Grenze freiwillig verlassen. Vor allem Familien seien mit Bussen in organisierte Lager im Großraum Athen gebracht worden, berichten griechische Medien am Donnerstagmorgen. Mindestens 13.000 Menschen harren aber noch immer in Idomeni aus.

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Minister will Flüchtlinge vom Wegzug überzeugen

Die Migranten in Idomeni müssen nach den Worten Dritsas „überzeugt werden“, freiwillig das Camp zu verlassen und in andere Lager zu gehen. „Wir können es nicht per Dekret verbieten, dass sie sich in Idomeni versammeln“, fügte er hinzu. „Was wir machen können, ist, ihren Transport zu Aufnahmelagern zu organisieren, die in ganz Griechenland verstreut sind“, sagte Dritsas weiter.

Die Balkanroute von Griechenland in Richtung Westeuropa ist für Flüchtlinge faktisch geschlossen. Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien lassen seit Mittwoch niemanden ohne Reisepass und Visa passieren. Damit sitzen insgesamt mehr als 35.000 Menschen in Griechenland fest.

Besuch in Zeltstadt
Ai WeiWei in Idomeni
© reuters, reuters

Ärzte warnten schon lange vor Krankheiten

Der anhaltende Regen hat das Aufnahmelager in Idomeni nun in eine Schlammwüste verwandelt. Hunderte Menschen, unter ihnen auch viele Kinder, litten unter schweren Erkältungen, Atemwegsbeschwerden und Durchfall, berichten Ärzte des kleinen Krankenhauses der Ortschaft Polykastro nahe Idomeni. Seit der Grenzschließung haben Ärzte wiederholt vor möglichen Erkrankungen gewarnt. Vertreter der griechischen Behörden, aber auch Hilfsorganisationen ermutigen die Menschen abzureisen. Es sei sinnlos, im Schlamm zu warten, weil die Grenze zu Mazedonien vorerst nicht aufgemacht werde.

Ein Ende des Zustroms von Migranten von der Türkei nach Griechenland ist vorerst nicht abzusehen. Am Donnerstagmorgen kamen rund 800 Migranten von den griechischen Ägäis-Inseln Lesbos und Chios in der Hafenstadt Piräus an. Am Abend wurde eine weitere Fähre mit etwa 300 Migranten an Bord erwartet. Dies teilte die Küstenwache mit.

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Der Bürgermeister der Insel Chios rief die Regierung in Athen auf, sofort eine weitere Fähre einzusetzen, damit die Insel entlastet werde. In Chios warteten mehr als 3000 registrierte Migranten auf ihre Weiterreise zum Festland, berichtete das Staatsradio (ERT).

Flüchtlingskrise
Lage der Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze weiter katastrophal
© Reuters, reuters
Quelle: ypri/dpa
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