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Fraktur

Brexshit in der Bredouille

Von Berthold Kohler
 - 11:01
Der Ausweg für Theresa May: Macht Euren Brexshit doch alleine!

Alfred Graf von Schlieffen war nicht der erste und nicht der letzte Stratege, dessen genialer Plan scheiterte, weil die Gegner sich unverschämterweise nicht an ihn hielten. Anders als Theresa May, die Erste Dienerin Ihrer britischen Majestät, musste der kaiserliche Generalfeldmarschall das aber wenigstens nicht mehr selbst erleben. Die arme Premierministerin jedoch bekommt jetzt von allen Seiten Haue. Ist das gerecht im Falle einer Politikerin, die schon in ihrer eigenen Partei einen Zweifrontenkrieg führen muss gegen reguläre Truppen wie auch gegen Heckenschützen und Partisanen? Wo in Westminster doch auch sonst keiner den Durchblick hat in einem fog of war, der noch dichter ist als der Nebel in den Edgar-Wallace-Verfilmungen? Verglichen mit dem Chaos in den britischen Reihen in der Schlacht um den Brexit erscheint ja sogar noch die Gefechtslage damals in Waterloo so geordnet und übersichtlich wie eine Geburtstagsparade für die Queen.

Nein, man muss Mrs. May eher dafür bewundern, dass sie den Bettel immer noch nicht hingeschmissen und den Johnsons und Farages ihres Landes zugerufen hat „Dann macht Euren Brexshit doch alleine!“ Brexshit ist das neueste Wortspiel der wortspielverliebten Briten, wenngleich es natürlich nur von jenen geliebt wird, die den Brexit für „sh..“ halten und nicht für die hellste Stunde der britischen Geschichte, noch vor Dünkirchen.

May aber will diesen in den Untergang verliebten Gesellen nicht kampflos das Feld überlassen, wofür sie ein dreifaches „hip, hip, hooray“ verdient. Am Montag wird sie mit steifer Oberlippe ihren heiß ersehnten Plan B vorstellen, jenen Plan also, der schon in vielen Ländern noch mehr Politikern aus der Bredouille half, obwohl er von Mal zu Mal anders aussah. Die Planwirtschaft ist eben doch viel flexibler, als man es ihr nachsagt. Auch im Falle des englischen Patienten setzen nun selbst glühende Anhänger des Marktprinzips auf die befriedende Wirkung eines alternativen Plans.

Und das durchaus mit Recht. Was und wer alles wäre uns und der Welt erspart geblieben, wenn wir 1914 nicht nur den Schlieffen-Plan gehabt hätten! Wir wollen die Namen gar nicht aufzählen, weil es sonst am Ende noch heißt, wir hätten Trump mit Hitler und Gauland mit Stalin verglichen. Man ist heutzutage ja nicht einmal mehr vor den allerdümmsten Vorwürfen sicher.

Der Plan B jedoch wird immer noch von einer unerklärlichen Beißhemmung beschützt. Irgendwie gilt er als göttlich, obwohl der Buchstabe B unvermeidlich an Britannien, Brexit, Brüssel, Boris Johnson und Björn Höcke erinnert. Doch dem Zweitplan wohnt eine Macht inne, der sich offenbar niemand entziehen kann. Nur selten hat man jedenfalls gehört, dass es nötig gewesen wäre, auch noch zum Plan C oder gar D zu greifen. Nicht einmal die Briten sind schon so verrückt.

Bei Merkel funktionierte schon Plan A

Auch unsere Kanzlerin war in ihren dreizehn Jahren nie dazu gezwungen. Dazu hätte es allerdings auch ganz, ganz dick für sie kommen müssen. Also mindestens so worst-case-mäßig wie jetzt für ihre Londoner Kollegin. In Berlin unvorstellbar? Die britische Tragikomödie sollte uns nicht überheblich werden lassen. Schließlich wäre Friedrich Merz beinahe Parteivorsitzender geworden. Weil die braven CDUler aber nicht so ein planloser Sauhaufen sind wie die Tories, geriet Merkels Plan A (in der Version KK) dann doch nicht in Gefahr. Am Ende des Parteitages konnte sich die Kanzlerin wie der legendäre Colonel John „Hannibal“ Smith vom A-Team mit einem Lächeln im Gesicht sagen: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Apropos Hollywood: Der Glaube an die Magie des B-Plans ist allerdings nicht überall so verbreitet wie in Europa. In der neuen Welt, besonders jener des amerikanischen Präsidenten, gilt das Ausweichen auf den Ersatzplan nicht unbedingt als Ausweis von Stärke. Donald Trump wird eher noch zu einer mexikanischen Feministin, als dass er den Demokraten anbietet, das Planfeststellungsverfahren für den Mauerbau im Süden zu ändern. In seinem Fall ist das vielleicht auch ganz gut so. Sonst greift Trump – weil möglicherweise auch er glaubt, dass irgendwer seine wertvollen Körpersäfte vergiften will – in seiner Verzweiflung noch zum Plan B-52. Alles schon dagewesen, zuletzt gesehen in „Dr. Seltsam“. Und dann würde es auch für die Briten richtig ernst, ob sie noch in der EU wären oder nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
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