Fraktur

Inflation auch bei der Invasion

Von Berthold Kohler
18.12.2021
, 09:59
Massive Schweinerei: Alles wird teurer!
Putin soll für die Besetzung der Ukraine einen hohen Preis zahlen. Einem Stammkunden könnte man aber schon etwas entgegenkommen.

Haben Sie auch schon Post von Putins willigen Helfern bekommen? Wir meinen nicht nur seine Trolle, die uns dieses Mal ihre Wutachten zur Bösartigkeit des Westens schicken, noch bevor der Kreml in der Ukraine sein legitimes Recht zur Selbstverteidigung gegen die kriegslüsterne NATO ausübt. Uns erreichte auch ein Schreiben unseres Gasversorgers, der uns mitteilte, dass er wegen der gestiegenen Energiepreise leider, leider kurzfristig den Vertrag kündigen müsse, wir es aber weiter warm haben könnten, wenn wir einem neuen Kontrakt mit einem leicht höheren Tarif zustimmten.

Ja, es stimmt, derzeit wird alles teurer, wenn auch nicht immer gleich um das Doppelte wie bei unserem jetzt ehemaligen Gasversorger. Aber auch das Gas kommt eben nicht aus der Steckdose, sondern aus dem Reich Putins. Und auch Mütterchen Russland muss in Zeiten der Geldentwertung schauen, wo es bleibt.Wie ein Kavalleriegaul zu galoppieren scheint die Inflation besonders bei den Kosten, die mit der Invasion eines Nachbarlandes verbunden sind. Und wie könnte Putin sich die ersparen! Der Einmarsch in der Ukraine wird dem friedliebenden Kreml vom Westen doch geradezu aufgezwungen, so wie manche SPD-Politiker darüber reden.

Selbst Angehörige der Cannabis-Koalition aber warnen vor dem „hohen Preis“, den eine solche Operation hätte. Der „hohe Preis“ ist zur Standardfloskel geworden, wenn westliche Politiker Putin davon abbringen wollen, das orthodoxe Weihnachtsfest in Kiew zu feiern. Erstmals auf dem EU-Gipfel vom Donnerstag war neben den „hohen Kosten“ auch von „massiven Konsequenzen“ die Rede. Aber das geht uns dann doch zu weit, weil damit nun wirklich an der „Spirale von Drohungen und Gegendrohungen“ gedreht wird, vor der in bewährter Manier der SPD-Fraktionsvorsitzende Mützenich warnte. „Massive Konsequenzen“ erinnert schon sehr an „massive retaliation“. Kenner des Kalten Krieges wissen, wofür dieser Begriff stand.

Berthold Kohler „Fraktur“

Gesammelte Glossen. Mit einem Vorwort von Greser & Lenz. Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt a. M. 2021, 208 S., Leinen, geb. 18,– €.

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Da ist es doch deutlich deeskalierender, bei den Begriffen der Marktwirtschaft zu bleiben. „Aggression muss ein Preisschild haben“, hatte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen beim Antrittsbesuch unseres Kanzlers gesagt. Die Preisfrage aber lautet: Wie hoch ist denn der hohe Preis? Der reinen Lehre nach sollte man die Antwort darauf dem Markt überlassen. Wir meinen freilich, Putin müsste für die Erlaubnis, auch noch die restliche Ukraine besetzen zu dürfen, mindestens das Doppelte des bisherigen Annexionspreises blechen (eben so wie wir bei seinem Gas). Die Krim war ja wirklich ein Schnäppchen, das Putin weit unter dem üblichen Einmarschpreis gemacht hat.

Auch in China ist der Preis der heiße Scheiß

Andererseits darf man einem Stammkunden auch schon etwas entgegenkommen. Als Zeichen des guten Willens sollte der Westen dem Kreml jetzt einfach das nennen, was man auf dem Flohmarkt den letzten Preis nennt, also wirklich das unterste Limit. RTL könnte vielleicht auch eine Neufassung seiner legendären Spielshow „Der Preis ist heiß“ ins Programm nehmen, in der dann lupenreine Demokraten wie Putin oder Lukaschenko schätzen müssen, was der Überfall auf eine Nachbarrepublik oder die Niederschlagung einer Demokratiebewegung aktuell kosten.

In so einer Show könnte auch unsere neue Außenministerin Baerbock zeigen, dass sie weiß, wie hoch ein Olympiaboykott in Peking zu Buche schlägt. Denn auch der wäre ja nicht umsonst zu haben. Wer nicht kommt, so tönte schon das chinesische Außenministerium, werde „unweigerlich den Preis für dieses Fehlverhalten zahlen“. Der Preis ist mittlerweile also sogar im kommunistischen China der heiße Scheiß, um berühmte Worte Katrin Göring-Eckardts aufzugreifen.

Ja, beim Geld hört die Freundschaft eben auf. Zum Glück aber nicht unter engen Verbündeten. Unsere Freundschaft mit Polen sei unbezahlbar, sagte Baerbock in Warschau. Und wer wollte das mit Blick auf die polnischen Reparationsforderungen bestreiten?

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
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