Fraktur

Der implantierte Impfneid

Von Berthold Kohler
08.05.2021
, 08:33
Lammfromm zur Impfbank: Wäre die Nachricht von der Gates-Scheidung bloß früher gekommen!

In Zeiten, in denen dauernd nichts mehr so ist, wie es einmal war, muss man, jedenfalls als Konservativer, über alles froh sein, was sich diesem rasenden, unaufhaltsamen Wandel widersetzt. So gesehen, hat selbst die Scheidung von Herrn und Frau Gates etwas Tröstliches: Geld allein macht immer noch nicht glücklich, nicht einmal ganz viel Geld. Und die beiden haben schließlich solche Mengen davon, dass sie selbst nach Anschaffung der üblichen Milliardärsmindestausstattung immer noch die Hälfte verschenken können.

Sie merken schon: Aus uns spricht der blanke Neid. Ja, auch wir haben uns infiziert. Mit diesem Erreger, der sich lange vor Corona in Deutschland eingenistet hat. Seit einigen Wochen grassiert in unserem Lande eine besonders ansteckende Mutante: der Impfneid. Das Coronavirus mag uns in vielerlei Hinsicht in Angst und Schrecken versetzt haben – den Neid konnte es uns noch nicht abkaufen.

Die Impf-Invidia tritt in zwei Phasen auf. Ein sicheres Zeichen für einen akuten Ausbruch ist die Frage: „Waaas, Sie wurden schon geimpft?“ Es schließt sich an, wenn auch nicht laut ausgesprochen: Der ist doch noch gar nicht sechzig! Seit wann gelten Hühneraugen als schwerwiegende Vorerkrankungen? Kennt der vielleicht einen im Gesundheitsamt? Na klar, Privatpatient!

Mit dem Status von Porschefahrern

Die höchste Alarmstufe, also Gelb, erreicht der Impfneid aber erst, wenn es um den verabreichten Impfstoff geht. Biontech-Geimpfte genießen den Status von Porschebesitzern – jedenfalls aus der Sicht von Astra-Fahrern. Mit dem Mainzer Edelstoff in den Muskeln steht einem schon nach drei bis sechs Wochen die Welt wieder so offen wie der Himmel dem Piloten eines 911er-Cabrios. Auf die zweite AstraZeneca-Impfung musste man dagegen – bis gestern – drei Monate warten. Und dann schüttelt es manchen Vektor-Geimpften nach der Injektion ja auch noch so durch, als hätte man einem alten Opel Sand ins Getriebe gekippt.

Sie hätten die neidischen Blicke sehen sollen, die in unserem Impfzentrum aus dem Astra-Wartesektor hinüber in die Biontech-Zone geworfen wurden! Das lag nicht nur daran, dass im Astra-Gatter viele alte Säcke saßen und drüben in der Biontech-Lounge vor allem junge Dinger. Nur Knappes ist sexy. Die Astra-Spritzen wirft Spahn jetzt aber jedem nach, der bei drei noch nicht auf einem Baum sitzt. Und auch die plötzliche Reduzierung der Wartezeit von drei Monaten auf vier Wochen vertreibt den Geruch von Sauerbier nicht, der die Astra-Dosen umweht.

Wie Haschisch vor einem Rockkonzert

Es war somit ein kleines Wunder, dass im Impfzentrum keiner der Biontech-Privilegierten seiner Impfkarte beraubt wurde. Und dass vor der Halle nicht dunkle Gestalten Berechtigungen für einen Biontech-Schuss anboten wie früher Haschisch vor einem Pink-Floyd-Konzert.

Dort standen allerdings Leute, die den Zug der Lemminge ins Impfzentrum ganz entspannt beobachteten, um nicht zu sagen: lächelnd. Auf dem langen, gewundenen Impfpfad in der Messehalle haben auch wir uns dann gefragt, ob man sich wirklich fromm wie ein Lamm zur Impfbank führen lassen sollte.

Wer darf die Chipfabrik behalten: Bill oder Melinda?

Wäre die Nachricht von der Gates-Scheidung bloß etwas früher bekannt geworden! Die hätte uns an die vielen Theorien erinnert, wonach Bill Gates hinter der Pandemie und damit auch der ganzen Impferei steckt. (Warum wurde eigentlich nie Melinda verdächtigt?) Das zerrüttete Ehepaar müsste sich demnach nicht nur einigen, wer welche Villa und welches Flugzeug bekommt, sondern auch, wer die unterirdische Chipfabrik behalten darf, die ja gigantische Ausmaße haben muss. Sind vielleicht unüberbrückbare Differenzen hinsichtlich des weiteren Vorgehens bis zur Weltherrschaft der wahre Grund für die überraschende Trennung des Paares gewesen? Noch wichtiger: Wer von den beiden bekommt jetzt den Sender, mit dem die uns gespritzten Chips gesteuert werden können?

Den Impfneid hatten wir allerdings schon, bevor wir gechippt wurden. Den kann uns also nur unsere eigene Regierung im Zuge der Amtshilfe für Gates eingepflanzt haben. Wie so etwas geht? Mit einer seltsamen und undurchschaubaren Terminvergabe für die Impfung, dem Ausschließen von Privatärzten und ihren Patienten, einer zunehmend prinzipienlosen Priorisierung und so weiter. Da hat unsere Politik wirklich ganze Arbeit geleistet, das muss man neidlos anerkennen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
Herausgeber.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot