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Fraktur

In die Pfanne gehauen

Von Berthold Kohler
 - 15:13

Weil dem talentierten Schüler in Mittelhessen das Handwerk gelegt worden ist, wissen wir leider nicht, was Horst Seehofer, wie behauptet, schon in den achtziger Jahren im Internet gemacht hat. Auch die zweitwichtigste Frage der Woche ist immer noch nicht geklärt: Wie hoch ist die Strafe, die Franck Ribéry zahlen muss? Dafür, dass er seine Neider nicht nur zum Beischlaf mit ihren Müttern und Großmüttern aufforderte, sondern gleich mit ihrem ganzen Stammbaum. Letzteres nimmt man dem neureichen Emporkömmling besonders in Adelskreisen übel.

Mit dem goldenen Steak krönte Ribéry sich ja auch noch selbst zum King of Kotelett. Danach aber ging der güldene Schmaus voll nach hinten los. Nun ist das Blattgold, mit dem man eine Schlossturmspitze für die nächsten Jahrhunderte in neuem Glanz hätte erstrahlen lassen können, auf Nimmerwiedersehen in der Kanalisation verschwunden – falls der Franzose das Schnitzel nach Dubaier Art auch wirklich gegessen hat. Denn es war ja offenbar doch viel billiger, als zunächst behauptet wurde. In Wahrheit handelte es sich vielleicht nur um Separatorenfleisch, aufgemotzt für einen gutgläubigen Superreichen.

Was uns zurück zu der Frage bringt, wie viel der Ausnahmezustand-Kicker – keiner rastet so spektakulär aus wie Hoeneß’ Liebling, abgesehen natürlich von Hoeneß selbst – denn nun in die Kaffeekasse der Bayern zahlen muss. Wenn aber die Strafe für die Ermunterung zum generationenübergreifenden Inzest mit den Angriffen auf Ribérys Menschenwürde verrechnet wird, die er danach ertragen musste, dann müsste der FC Bayern als oberster Hüter derselben ihm wohl sogar noch ein ganzes goldenes Kalb spendieren, bei diesem menschlichen Salzstreuer, der sich Koch nennt.

Der muss übrigens einen Goldverbrauch haben wie alle Zahnärzte Indiens zusammen, wenn man sich seine spektakuläre Gästeliste ansieht, von Ronaldo bis Infantino. Nur dass das Schnitzelgold eben nur einmal im Mund aufblitzt. Angesichts der Beliebtheit dieser neuen Spielart der Dekadenz braucht die Berliner Kripo sich wohl auch nicht länger zu fragen, warum es keine Spur mehr von der aus dem Bode-Museum gestohlenen Megamünze gibt. Sie ist wahrscheinlich an unzählige Feingoldschmecker verfüttert worden. O tempora, o mores! Früher bekamen die Säue nur Perlen.

Was ist es bloß, das Margarete schon in der Tragödie erstem Teil sagen lässt „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“? Es gibt doch anderes, das noch seltener ist, zum Beispiel die Intelligenz. Aber ach, wir Armen! Die kann sich ja nicht einmal der reichste Fußballstar kaufen. Ist der Drang, alles Mögliche mit Gold zu überziehen, vielleicht eine Art Kompensationsversuch für Defizite im Genom? Dafür, dass nicht alles Gold ist, was man schwätzt? Dieser Gedanke überkommt uns jedes Mal, wenn wir hören, was Donald Trump von sich gibt, der ja der allergrößte Liebhaber des Blattgoldes aller Zeiten ist. Bei ihm wundert uns inzwischen eigentlich nur noch, dass er sich selbst noch nicht hartvergolden ließ. Kennt er den James-Bond-Film „Goldfinger“ nicht? Ribéry dagegen muss wenigstens „Golden Ribeye“ gesehen haben.

Kein Schmackes bei Habeck

Das sorgfältig zelebrierte Inkorporationsritual von Dubai erinnert uns auch daran, dass Ureinwohner vom Amazonas glaubten, die Stärke ihrer Feinde gehe auf sie über, wenn sie deren Herzen äßen. Aber das kann Ribéry wohl kaum gewusst haben, sonst hätte er nicht ein Stück lahme Lende vom ollen Ochsen bestellt, sondern vergoldete Eier.

Leider sind solche kernigen Naturburschen ziemlich selten geworden – und in der deutschen Politik gänzlich ausgestorben, selbst bei den Grünen. Was entgegnete deren Chef Habeck jenen, die ihn für seinen Rückzug aus der Twitterei grillten? Nichts, was auch nur annähernd so viel Schmackes hatte wie der rohe Return von Ribéry.

Joseph Fischer hätte aus den Kritikern mindestens rhetorisch Hackfleisch gemacht und es dann mit Zwiebeln und Knoblauch in die Pfanne gehauen. Habeck aber übte sich sogar schon vor dem Fäkaliensturm, der nach seinem mutigen Schritt losbrach, in selbstkritischer Selbstverstümmelung und sagte: „Ich beiß mir in den Arsch.“ Ribéry, das muss man ihm bei aller berechtigten Kritik lassen, traf da selbst mit dem goldenen Steak die bessere kulinarische Wahl.

Quelle: F.A.Z.
Berthold Kohler
Herausgeber.
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