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Fraktur

Zwei sind einer zu viel

Von Berthold Kohler
 - 13:14
Das gibt nur Ärger: Doppelspitze auf dem Hühnerhof

Es spricht für die Weisheit der CSU im Allgemeinen und der Bayerischen Staatsregierung im Besonderen, auf die Einführung des Schulfachs „Alltagskompetenz“zu verzichten. Denn damit wäre ja das Eingeständnis verbunden gewesen, dass man bisher in der Schule doch nur für die Schule gelernt hätte und nicht fürs Leben. Schon die alten Römer hätten also gelogen, nicht erst die modernen Trumps. Sic tristis! Nein, das kann, das darf nicht sein. Es ist wohl eher so, dass die an der Schule mühsam erworbenen Kompetenzen zur Bewältigung des jeweiligen späteren Alltags – die Infinitesimalrechnung nutzt uns jedes Jahr mehr – einfach zu schnell in Vergessenheit geraten. Besonders flott scheinen altes Wissen und Können an der Spitze von großen Mächten zu verblassen, wie Beispiele aus jüngster Zeit zeigen.

Der amerikanische Präsident erweckte zwar zum ersten Mal den Eindruck, das kleine Einmaleins der Machtpolitik zu beherrschen, als er stolz bekanntgab, mit nur einer Rakete den zweiten Mann im Staate der Mullahs liquidiert zu haben. Zum Vergleich: Die Iraner brauchten zum Abschuss eines Flugzeugs mit Iranern zwei Geschosse. Trumps chirurgischer Schlag hingegen ließ selbst die saudischen Pathologen, die ihren armen Landsmann zersägten, wie blutige Anfänger aussehen. Doch traten Zweifel an Trumps Ausschaltungskompetenz auf, als bekannt wurde, dass ein zweiter Schurke aus der iranischen Führungsriege nicht getroffen wurde, die Erfolgsquote also nur bei fünfzig Prozent lag. Da half auch Trumps Beteuerung nicht, er wolle gar keinen totalen Regimewechsel in Teheran. Die höhere Mathematik der Macht, die sich unter anderem mit den Folgen der Kürzung von Köpfen in komplexen politischen Gleichungen beschäftigt, ist ohnehin nicht sein Ding. Wir können von Glück reden, dass Bagdad nicht zum Sarajevo des Mittleren Ostens wurde.

In seiner fast dreijährigen Lehrzeit im Weißen Haus hätte Trump aber wenigstens lernen müssen, dass es gar nicht gut aussieht, wenn der Präsident und sein Verteidigungsminister nach ihrem Heldenattentat fundamental alternative Fakten zu der Frage präsentieren, ob der zur Strecke gebrachte Generalissimus wirklich amerikanische Botschaften in die Luft sprengen wollte.

Wenn zur Alltagskompetenz also auch die Fähigkeit gehört, möglichst widerspruchsfrei mit der Welt zu kommunizieren, dann sieht die katholische Kirche derzeit ebenfalls nicht sonderlich kompetent aus, jedenfalls nicht an ihrer Doppelspitze. Uns überrascht das kaum, schließlich weiß jeder, der in Geschichte nur ein bisschen aufgepasst hat, dass zwei Päpste einer zu viel sind. Früher maßregelte man Volontäre, die Meldung „Papst für Zölibat“ sei doch keine Nachricht. Heute ist sie sehr wohl eine, die freilich sofort die Nachfrage erfordert: Welcher der beiden? Und hätte die auf päpstlichen Wunsch (beider Pontifizes?) geänderte Autorenzeile des einschlägigen Aufregerbuchs nicht lauten müssen „Unter Mitarbeit von Gänswein I.“? Hoffentlich erträgt Franziskus diese Mehrstimmigkeit recht lange, denn wenn auch er sich noch vorzeitig pensionieren ließe, würde der Kompetenzenwirrwarr im Vatikan nicht zwangsläufig abnehmen.

Schon genug von solchen Palastintrigen haben Harry und Meghan, die nun im fernen Kanada ihre Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen wollen. Glauben tut ihnen das natürlich keiner. Um den „Megxit“ ranken sich jede Menge Gerüchte, in denen die Noch-Herzogin von Sussex entweder als die böse Hexe des Westens oder als unschuldiges Opfer des ihr spanisch vorkommenden Hofzeremoniells erscheint, quasi als Sissi 2.0. Prinz Philip soll sogar eine Zeitlang geglaubt haben, Harry habe nicht eine Markle geheiratet, sondern – how shocking! – eine Merkel.

In Wahrheit sind die Sussexes aber wahrscheinlich nur die bislang prominentesten Brexit-Flüchtlinge, die nicht aus nächster Nähe zuschauen wollen, wie ihr Land die Themse runtergeht. Die zurückbleibenden Briten jedoch werden sich, wenn Trump ein extrem vorteilhaftes Handelsabkommen mit ihnen geschlossen hat, auf ihre legendären Kernkompetenzen besinnen müssen, die ihnen schon in ihrer – bislang – dunkelsten Stunde geholfen haben (den Tee dreimal aufbrühen et cetera). Und wer dem GröFaZ die Stirn geboten hat, sollte es ja wohl locker mit dem GröPaZ aufnehmen können.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
Herausgeber.
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