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Fraktur

Der vierte Reiter der Apokalypse

Von Berthold Kohler
 - 16:34
Gottes Wille? Oder doch eher der des Teufels?

Wie unergründlich die Wege des Herrn sind, sieht man schon daran, dass eine Protestantin aus der DDR Vorsitzende der CDU werden konnte. Also kann es auch gottgewollt gewesen sein, dass ein Immobilienspekulant amerikanischer Präsident wird, wie dessen Sprecherin (ebenfalls eine Pfarrerstochter) nun behauptete. Wie lange sie jetzt noch für ihn spricht, wird man sehen. Wahrscheinlicher ist, dass sie demnächst wie die Geheimdienste wieder die Schulbank drücken muss, weil sie etwas Trumplästerliches gesagt hat.

Präsident von Gottes Gnaden – das wird dem Selfmademan kaum gefallen. Er dürfte nach dem Zores, dem ihm seine Russian Connection einbrachte, auch abstreiten, dass es vor der Wahl Absprachen zwischen ihm und Gott gab – obwohl es in God’s own country üblich ist, einfach mal so mit dem Allerhöchsten zu plaudern.

Nur die letzte Warnung?

Doch nehmen wir einmal an, dass mit der Wahl Trumps tatsächlich der unwiderlegbare Gottesbeweis erbracht worden wäre. Dann müsste man sich natürlich fragen, was den Herrgott dazu gebracht haben könnte, den Amerikanern und uns einen solchen Präsidenten zu schenken. Schließt man die tragende Vermutung des Filmklassikers „Die Götter müssen verrückt sein“ aus, dann könnte man in diesem Akt nur eine Strafe sehen: Trump, der Zorn Gottes. (Was würden wir für eine Verfilmung mit Klaus Kinski geben!)

Das hieße freilich, dass im Himmel ein ziemlicher Wutgott am Werk wäre, in gelber Weste. Denn er hätte ja auch mildere Plagen über uns kommen lassen können, die Schwarzen Blattern etwa. Oder noch einmal eine Sintflut.

Wenn wir Glück haben, ist Trump nur die letzte Warnung, ein Schuss vor den Bug von allerhöchster Warte, der uns sagen soll: Treibt es mir nicht zu blond! Diese Mahnung wäre mehr als berechtigt, wenn man sich vor Augen hält, mit welchem Irrsinn die Menschheit ihre Zeit verplempert, und wie oft Männer mit hellen Haaren daran beteiligt sind. Aber auch dunklere Schöpfe haben sich schon auf „die Vorsehung“ oder direkt auf unseren Schöpfer berufen. Der musste immer dann aufs Koppelschloss, wenn wir in Massen ins Paradies einmarschieren wollten.

Die Zeichen für den Weltuntergang mehren sich

Wir Deutsche lassen uns, Gott sei Dank, auf diesem Felde nicht mehr so leicht in Versuchung führen. Aber viele andere sind nicht so weit wie wir und bauen immer noch Panzer und U-Boote, die funktionieren. Wie sollten wir also in dieser Sodom-und-Gomorrha-Lage noch neun Nationen finden, die so (selbst-)gerecht sind wie wir? Und wer sollte dann mit Gott verhandeln wie damals Abraham? Der Anführer der freien Welt jedenfalls nicht, was immer seine Sprecherin noch behaupten mag.

Denn Trump könnte nämlich, wenn wir Pech haben, schon der vierte Reiter der Apokalypse sein (nach Gauland, Weidel und von der Leyen). Es mehren sich auch andere Zeichen, dass der Weltuntergang bevorsteht. So gibt es jetzt Briten, die in der EU bleiben wollen; Grüne, die nicht mehr twittern; und ein ehemaliges Industrieland in der Mitte Europas, das den Dieselmotor und die Steinkohle mittlerweile so fürchtet wie den Teufel und dessen Großmutter.

Wenn dann auch noch die sieben Engel in die sieben Posaunen blasen, ist endgültig Schluss mit lustig. Jeder, der schon einmal in der Offenbarung des Johannes geblättert hat, weiß, was dann passiert: Dann werden die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid um ein Vielfaches überschritten, und zwar nicht nur in Stuttgart. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Hure Babylon ins Endspiel kommt, wird keiner mehr den Klimawandel leugnen. Dann wird auch der größte aller Skeptiker bekehrt werden (dem bisher ja auch nur Stormy Daniels erschienen ist).

Angesichts dieser Aussichten kann man nur in den Ruf einstimmen: Tut Buße und kehrt um! Vielleicht nimmt der Herr, wenn wir uns alle grüngefällig verhalten, also vegan ernähren und Tempo 30 auf den Autobahnen einhalten, die Geißel namens Trump wieder von uns. Würden wir ihm nicht alle ein schönes Plätzchen im Paradies gönnen, in der Nähe der islamistischen Märtyrer mit ihren unzähligen Jungfrauen?

Es wäre interessant zu verfolgen, ob er sich auch dort einmauern wollte. Dann würde sich auch weisen, ob der Mauerbau zu Mexiko tatsächlich Gottes Wille ist/war. Wir bezweifeln das und alles andere, was Trumps Sprecherin in diesem Zusammenhang sagte. In God we trust.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
Herausgeber.
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