FAZ plus ArtikelGrundlagenvertrag 1972

Besondere Beziehungen zur DDR

Von Peter Sturm
10.10.2020
, 19:27
Der Grundlagenvertrag 1972 zwischen der Bundesrepublik und der DDR war ein wichtiger Baustein in Willy Brandts Entspannungspolitik. Teil 9 unserer Serie „Stationen – Deutschland seit 1945“.

Anfang der siebziger Jahre war die Teilung Deutschlands, durchaus im Wortsinne, in Beton gegossen. Im übertragenen Sinne galt das auch für manche führenden Köpfe, in Ost und West. Allerdings hatten sich schon seit einiger Zeit mehrere Bundesregierungen darum bemüht, aus der Lage für die Menschen das Bestmögliche zu machen. CDU und CSU, seit 1949 ununterbrochen als führende Kraft in Regierungsverantwortung, taten sich am schwersten damit, unangenehme Konsequenzen aus der realen Situation zu ziehen. „Die Realitäten“ war ein häufig zu hörender Begriff in der hitzigen politischen Diskussion. Zu diesen gehörte die Existenz der DDR. Und die bekam man durch bloßes Wünschen nicht weg. Trotzdem hielten manche im Westen den Gedanken, mit diesem „Gebilde“ offizielle Gespräche zu führen, immer noch für ziemlich unerträglich.

Die Bundesregierung von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) befreite die deutsche Politik aus diesem gedanklichen Käfig. Sie wusste allerdings, dass sie sich auf einem in jeder Hinsicht schwierigen Parkett bewegte. Innenpolitisch schlug der „neuen Ostpolitik“ zum Teil heftiger Widerstand entgegen. Es fielen sogar Sätze wie: „Die Regierung Brandt verrät das Vaterland.“ Bei der DDR-Führung stießen die Gesprächsinitiativen Bonns durchaus nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Zwar strebte man nach internationaler Anerkennung. Aber der bis 1972 noch regierende Altstalinist Walter Ulbricht fühlte sich in der klaren Frontstellung der Vergangenheit durchaus wohl.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen.

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

F.A.Z. PLUS:

  Sonntagszeitung plus

F.A.Z. PLUS:

  F.A.Z. digital

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot