FAZ plus ArtikelHoneckers Besuch in Bonn 1987

Mit Pauken und Trompeten

Von Peter Sturm
Aktualisiert am 17.10.2020
 - 18:18
Besondere Ehre: Der Staatsratvorsitzende der DDR Erich Honecker (rechts) wird am 7. September 1987 von Bundeskanzler Helmut Kohl (links) vor dem Bonner Bundeskanzleramt mit militärischem Zeremoniell empfangen.
Zwei Jahre vor dem Fall der Mauer wurde Erich Honecker eine besondere Ehre zuteil: Bundeskanzler Helmut Kohl empfing ihn in Bonn wie einen Staatsgast. Teil 10 unserer Serie „Stationen – Deutschland seit 1945“.

Deutsch-deutsche Spitzentreffen hat es im Lauf der Zeit einige gegeben. Aber nie fanden sie mit so großem und farbenfrohem Gepränge statt wie vom 7. bis 11. September 1987 in Bonn. Für SED-Generalsekretär Erich Honecker waren diese Tage politisch vermutlich der Höhepunkt seines Lebens. Schließlich hatte die DDR praktisch vom ersten Tag ihrer Existenz an damit zu kämpfen, dass sie – mit Recht – als Mündel der Sowjetunion galt. Einen eigenen Willen konnten und wollten die Führungen in Ost-Berlin nicht entwickeln. Der Volksaufstand von 1953 hatte die unmittelbare Abhängigkeit überdies vor aller Welt offenbart, denn es war nur sowjetischen Truppen zu verdanken, dass der „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ nicht nur eine winzige historische Episode blieb.

Die „neue Ostpolitik“ nach 1969 brachte der DDR wachsende internationale Anerkennung. Ein wichtiges Datum war in diesem Zusammenhang der 18. September 1973, als beide deutsche Staaten als Vollmitglieder in die Vereinten Nationen aufgenommen wurden. Aber diplomatische Aufwertung – unter anderem auch durch die Öffnung von Botschaften der westlichen Alliierten in Ost-Berlin – konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die DDR immer so etwas wie der arme Verwandte blieb. Dieser wurde vom reichen Westen alimentiert. Durch die Kredite aus den Jahren 1983 und 1984 war dies sogar öffentlich geworden.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
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