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„Ich bleibe hier! Und wenn Sie noch mehr Mauern errichten!“

Von MARTIN BENNINGHOFF, Berlin
Foto: Martin Benninghoff

05.11.2019 · Als Bärbel Reinke nach Schabowskis verpatzter Pressekonferenz durchs Brandenburger Tor in den Westen gehen will, wird sie von Grenzschützern gestoppt. Das Wortgefecht danach geht in die Geschichte ein.

A ls sich Bärbel Reinke dem Brandenburger Tor nähert, wird die gesprächige Berlinerin plötzlich ganz still. Dort, wo an diesem warmen Herbsttag 2019 Hunderte Passanten flanieren, wo sich der Touristenstrom von allen Seiten, vom Tiergarten oder vom Hotel Adlon kommend, auf den Pariser Platz ergießt, ergreifen die Bilder der Vergangenheit die Rentnerin. 30 Jahre ist es her, dass sie hier an dieser Stelle auf einen DDR-Grenzer einredete, ja einschrie, in einem von Wut und Verzweiflung getriebenen Moment, um endlich durch dieses Brandenburger Tor gehen zu dürfen, das damals noch im Niemandsland der Mauer stand, nach all den Jahren der Teilung. Ein Kamerateam filmte den emotionalen Ausbruch Reinkes, die Bilder gingen durch Deutschland und auch um die Welt und machten sie zur „Frau vom Brandenburger Tor“. Als personifiziertes Gefühlschaos in einer Nacht, in der die Mauer geöffnet wurde, als eine Frau, die der ganzen Verwirrung im Nachgang von Günter Schabowskis verpatzter Pressekonferenz ein Gesicht gab. Zum Mitleiden und Mitfiebern. 30 Jahre später, kurz vor dem Mauerjubiläum 2019, steht sie wieder vor dem „Tor der Freiheit“, wie sie Berlins Wahrzeichen nennt. „Hierher gehe ich nur selten. Es ist für mich noch immer ein ganz besonderer Ort.“


„Hierher gehe ich nur selten. Es ist für mich noch immer ein ganz besonderer Ort.“
BÄRBEL REINKE

Video: F.A.Z.

Es ist der 9. November 1989, nach 19 Uhr. Bärbel Reinke sitzt zuhause in ihrer Fünf-Zimmer-Altbauwohnung in der Linienstraße in Berlin-Mitte, nicht weit vom Alexanderplatz. Westfernsehen läuft. Sie schnappt ein paar Fetzen aus Schabowskis Pressekonferenz auf, in der der SED-Politiker erst die Ausreiseregelung für DDR-Bürger verkündet, um sodann ins Mikrofon zu stammeln: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ Reinke kann – wie viele andere DDR-Bürger – in diesem Moment nicht glauben, was sie da hört. Sie stammt aus dem Spreewald, sie war vor Jahren in der Sowjetunion. Aber der Westen? Selbst West-Berlin, das nur wenige Kilometer von der Linienstraße entfernt ist, aber für sie genauso gut auf dem Mond liegen könnte, kennt sie nicht. Einmal im Leben ins Café Kranzler am Ku’damm! Einmal im Leben hinter die Mauer lugen, die sich direkt hinter dem Brandenburger Tor hässlich wie eine Wunde durch die geteilte Stadt zieht! Unvorstellbar für die gelernte Gastronomin, die ihr Leben zwischen Lübben, Merseburg und Ost-Berlin verbracht hat.

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Quelle: F.A.Z.